Klein. Aber … mit Wumms!

Die neue X-ADV von Honda sollteman erleben, bevor man sich ein Urteil erlauben kann.
ENGELBERT-Tester Christian Beier  fuhr die Japanerin für uns durchs Bergische bis an den Vater Rhein.

Was haben sich die Konstrukteure beim japanischen Motorradhersteller Honda wohl dabei gedacht? Handelt es sich bei der Neuerscheinung um einen Roller mit richtig „Wumms“ oder um ein Motorrad mit den Vorteilen eines Rollers? Klar und eindeutig einzuordnen ist das Teil jedenfalls nicht. Das findet auch Fischer & Böhm-Chef Thorsten Böhm: „Mit diesem neuen Zweirad will Honda eine möglichst breite Käuferschicht ansprechen. Das Konzept ist hierbei einzigartig.“ Durch das mittlerweile bewährte Doppelkupplungsgetriebe (DCT) lässt sich die Maschine kinderleicht fahren. Wer in den Schaltvorgang eingreifen will, kann das per Tastendruck erledigen oder die Gänge komplett manuell ohne Kupplung rauf und runter schalten. Diese Form der Automatik verbaut Honda aktuell in fünf Modellen seiner Fahrzeugpalette. Beim Starten der X-ADV muss ich den Schlüssel nicht ins Zündschloss stecken. Er kann einfach in der Hosentasche verbleiben. Die Maschine erkennt sein Herrchen, wenn es sich in der Nähe befindet. Nach einer kurzen Einweisung durch Honda-Fachkraft Simon Wlotzka fahre ich durch Aufderhöhe in Richtung Eselsweg. An die aufrechte Sitzposition mit Trittbrettern gewöhne ich mich nach einigen Metern. Die Tatsache, dass ich keinen Tank zwischen den Beinen habe (wie bei meiner hochbeinigen Africa Twin) irritiert mich kurz, aber die enorme Wendigkeit der Honda erinnert mich sofort an alte Rollerzeiten. Mittlerweile fahre ich vorbei an  grünen Wiesen und den Berg rauf in Richtung Witzhelden. Der Sound ist sonorig und tief, wie es sich für einen Zweizylinder-Motor gehört. Auf der Landstraße zwischen Grünscheid und dem Höhendorf kann ich das erste Mal richtig am Gasgriff drehen. Das 68 Nm starke Drehmoment der 55 PS-Maschine ist beeindruckend. Der Verbrauch von 3,5 Litern (laut Honda) ist moderat. Mein Testverbrauch liegt etwas höher bei 4,1 Litern. Der 750er Motor mit einem langen Hub wird mittlerweile in viele Motorräder der Marke eingebaut. Eigentlich ist er ein halbierter Motor aus dem Honda Jazz, einem Kleinwagen aus der Autosparte. Das Fahren und Cruisen auf den Landstraßen in Richtung Opladen macht richtig Spaß. Saftig kann ich die „Cross-Adventure“ aus den Kurven beschleunigen. Der tiefe Schwerpunkt gibt dem Fahrwerk eine absolut stabile Note. Wer die verstellbare Scheibe nach oben kurbelt, ist gut vor Fahrtwind geschützt. Dies ist eines von vielen praktischen Ausstattungsmerkmalen.

Das Helmfach unter der Sitzbank ist auch super. Hinein passt nicht nur ein großer Helm. Auch Einkäufe finden im Cityverkehr ihren Platz. Zu entriegeln ist das Fach, ebenso wie die Tankklappe, von einem Schalter im Cockpit aus.

Beim Fototermin an der Rheinfähre in Hitdorf stelle ich das Motorrad auf einer Kieselsteinfläche ab. Durchatmen beim Blick auf den Rhein mit Schwänen, Enten und dem ruhigen Schiffsverkehr. Das unproblematische Wiederanfahren auf dem lockeren Untergrund lässt erahnen, dass sich die X-ADV auch in leichterem Gelände bewegen lässt. Die Sitzhöhe ist allerdings nicht ohne. Kleine Fahrer werden Probleme haben, den Boden sicher zu erreichen. Wer die Trittbretter nicht nutzen möchte, kann sich edle Fußrasten aus dem Original-Zubehör nachrüsten. Für Offroad-Fans sicherlich ein Muss.

Nach einem leckeren Cappuccino im Hitdorfer Krancafé steht für mich die Heimfahrt an. Im Nu bin ich auf der Autobahn und beschleunige auf über 150 Km/h. Unglaublich, wie sicher und stabil sich das Fahrwerk dank großer Reifen anfühlt. Hier unterscheidet sich die Maschine meilenweit vom Roller. Der anschließende Stop-and-Go-Verkehr durch die Stadt zurück zu Fischer & Böhm ist dank Automatik richtig angenehm. Die Nachfrage nach der Neuerscheinung ist sehr groß. Zu Probefahrten steht die erste Solinger X-ADV beim Honda-Händler bereit. Überhaupt bietet Thorsten Böhm neben kostenlosen Probefahrten neuerdings auch die Möglichkeit an, Motorräder tage- oder wochenweise zu mieten. „Nicht jeder, der mal Motorrad fahren will, möchte sich gleich eine Maschine kaufen“, unterstreicht er. Fischer & Böhm vermietet 125er Roller für 59 Euro und Motorräder für ab 79 Euro am Tag. Eine Woche mit einer dicken Africa Twin kann man im Sparpreis schon für 369 Euro bekommen. Alle Testmodelle sind angemeldet und stehen somit auch für längere Testfahrten zu Mietkonditionen zur Verfügung.

Mein Fazit: Ob sich eingefleischte Motorradfahrer mit der neuen „Klasse“ anfreunden werden, wird sich zeigen. Ein Aufstieg vom Roller zum Motorrad wird so auf jeden Fall zum Kinderspiel. Konzept und Verarbeitung dürften nach einer ausgiebigen Probefahrt  überzeugen, denn eine große Portion Fahrspaß auf zwei Rädern wird jeder mit der Honda X-ADV haben.

Honda X-ADV
Technik und Preis:
Hubraum: 745 ccm
Leistung: 54,8 PS bei
6.250 U/min
Drehmoment: 68 Nm
Gewicht: 238 KG mit ABS
Verbraucht lt. Honda:
3,5 L/100 Km
Listenpreis: 11.490 Euro

Für „Frühbucher“ gibt es für
100 Euro Aufpreis ein Original-
Topcase im Wert von 600,- Euro

Text und Fotos: Christian Beier

Ein Artikel aus dem ENGELBERT Solingen, Ausgabe 23.

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