Wenn Lebensmittel krank machen

Immer mehr Menschen in Deutschland können bestimmte Lebensmittel nicht vertragen. Besonders problematisch für Darm und Magen ist dabei die Fructose. Die Remscheider Ernährungsberaterin Eva Wisniowski therapiert Patienten aus dem ganzen Bergischen Land.

Eigentlich soll Essen bestenfalls ein Genusserlebnis sein. Das ist es aber nicht, wenn nachher der Magen rebelliert oder es zu unkontrollierten Blähungen oder Durchfall kommt. Ein Problem, unter dem nach Angaben von Krankenversicherungen immer mehr Deutsche leiden. So sind laut Erhebungen der Bergischen Krankenkasse hierzulande mittlerweile etwa 25 bis 30 Prozent aller Menschen von einer Nahrungsmittelunverträglichkeit betroffen. „Der größte Feind für Darm und Magen ist dabei ganz klar die Fructose-Unverträglichkeit“, sagt Diplom-Ökotrophologin Eva Wisniowski (64), die seit fast 25 Jahren ein Studio für Ernährungsberatung in Remscheid betreibt. In ihrer Praxis im Süden der Stadt therapiert sie Patienten aus dem ganzen Bergischen Land.

Gründe sind häufig die falsche Ernährung

„In der Regel sind es übergewichtige Menschen, die unter den Folgen einer falschen Ernährungsweise leiden“, erklärt Wisnioswki und betont, dass Lebensmittelunverträglichkeiten im Gegensatz zu Lebensmittelallergien „in den allermeisten Fällen“ ein selbst verursachtes Problem sind. „Oft haben meine Patienten schon seit vielen Jahren und nicht selten bereits seit der Kindheit keinen ausgewogenen Speiseplan. Stattdessen ist der Anteil an stark verarbeiten Lebensmitteln zu hoch.“ Oder anders ausgedrückt: „Die ursprüngliche Ernährungsweise mit selbst gekochtem Essen und frischem Gemüse und Obst ist verloren gegangen.“ Anstelle dessen dominiere „eine schwer verdauliche Kost, die vor allem zu viel Fructose enthält“. Das Resultat seien dann typische Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Übergewicht oder chronische Probleme mit Magen und Stuhlgang. Wobei es noch andere Lebensunverträglichkeiten gibt, die gleichermaßen Probleme machen. Dazu zähle etwa die Laktose-Unverträglichkeit, „die oft einige Stunden nach dem Verzehr von Produkten mit Milchzucker auftritt“, die Gluten-Unverträglichkeit „als häufige Reaktion auf den Verzehr von zu viel Billig-Backwaren“ oder die Histaminintoleranz, die dazu führen kann, „dass man praktisch nur noch frische Nahrungsmittel verträgt und vor allem fermentierte Lebensmittel und Alkohol unbedingt meiden muss“.

Immer mehr Unverträglichkeiten

All diese Unverträglichkeiten seien ebenfalls auf dem Vormarsch, allerdings nicht so sehr wie die Fructose-Unverträglichkeit, „die inzwischen auch schon bei vielen Jugendlichen auftritt“. Komplett dagegen gefeit sei ohnehin niemand: „Eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit spürt grundsätzlich jeder Mensch, der seinem Verdauungstrakt auf einen Schlag zu viel Fructose zuführt“. Etwa, indem er einen ganzen Liter Apfelsaft auf einmal trinkt oder zu viel frisch ausgepressten Orangensaft, „anstatt einfach nur zwei Orangen zu essen“. Generell seien es oftmals die Getränke, über die sich die Menschen zu viel Zucker direkt in den Darm spülen: „Früher waren es nur die Softdrinks und Fruchtsäfte, die Probleme verursachten. Mittlerweile sind es leider auch die vielen Energy-Drinks oder das sogenannte Wasser mit Geschmack sowie nach wie vor auch der übermäßige Konsum von Alkohol.“ Diese Risikofaktoren müsste man bei einer Fructose-Unverträglichkeit möglichst schnell reduzieren und auch konsequent den Ernährungsplan anpassen: „Dazu gehört vor allem der Verzicht auf Fertigprodukte, die neben schädlichen Geschmacksverstärkern viel Zucker enthalten. Wichtig ist auch die Orientierung an einer einfachen Faustregel: Die Hälfte des täglichen Essens sollte aus Gemüse und Obst bestehen. Um zu viel Fruchtzucker zu vermeiden, sollte diese Hälfte wiederum nur zu einem Drittel aus Obst bestehen.“ Wer das umsetzt, „kann sich gesund ernähren, ohne den Supermarkt wechseln und für Lebensmittel viel Geld ausgeben zu müssen“. Zumal es bei den Discountern mittlerweile möglich sei, „die Gesundheit zusätzlich zu fördern, indem man bei den Lebensmitteln zu erschwinglichen Bio-Produkten greift“. Diese natürlichen Lebensmittel enthielten keinerlei Zusatzstoffe und Konservierungsstoffe. Wer Lebensmittelunverträglichkeiten vermeiden wolle, sollte unbedingt auch diese gesundheitsschädlichen Stoffe deutlich reduzieren und lieber Produkte kaufen, „die entweder ganz frisch sind oder nach traditionellen Methoden verarbeitet wurden“.

Der DGE-Ernährungskreis ist eine grafische Orientierungshilfe der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) für eine gesunde und ökologisch nachhaltige Ernährung.

Melanie Aprin, Fotos: privat; GettyImages/piotr_malczyk | Grafik: DGE