Als die Wuppertaler Schwebebahn eröffnet wurde, stand sie für den technologischen Fortschritt ihrer Zeit und ist auch 125 Jahre später noch das beliebteste Verkehrsmittel der Stadt. Im Schwebodrom lässt sich mittels heute aktueller Technik das Jahr 1929 erleben – per VR-Brille in einem original Waggon.


Martin Bang, Chef der Wuppertal Marketing GmbH, hatte vor einigen Jahren eine seiner vielen „fixen Ideen”. Er wusste von vielen interessanten Bildern aus der Wuppertaler Geschichte, die im Stadtarchiv schlummerten. Diese tollen Aufnahmen wollte er der Öffentlichkeit zugänglich machen. Doch eine reine Ausstellung oder eine Galerie war ihm zu wenig. Es sollte innovativer sein, lebhafter und emotional. Die mittlerweile hoch entwickelte Virtual-Reality-Technik erweckte seine Idee dann zum Leben. In drei Stationen kann man nun die Geschichte dieses einmaligen Verkehrsmittels erleben. Die Reise im Schwebodrom, einem original Schwebebahnwaggon aus dem Jahr 1900, beginnt in der sogenannten Projektionswelt. Hier wird der Wandel der Mobilität im 19. Jahrhundert durch aufwendig inszenierte Lichtinstallationen des Wuppertaler Lichtkünstlers Gregor Eisenmann – im wahrsten Sinne des Wortes – beleuchtet. Eine Ausstellung mit Exponaten und Geschichten nimmt das Publikum im zweiten Teil dann mit auf eine Zeitreise durch die unterschiedlichen Entwicklungsphasen der Schwebebahn. Beginnend mit ersten Skizzen ihres Erfinders, des Unternehmers Eugen Lang, über spannende Fakten wie dem legendären Sprung der vierjährigen Elefantenkuh Tuffi in die Wupper bis hin zu einem Modell der Bahn und der Stadt, das aus Klemmbausteinen gefertigt wurde.


Virtuelle Schwebebahnfahrt in die Vergangenheit
Das Highlight ist aber die virtuelle Zeitreise. Dafür muss man nicht wie Marty McFly in „Zurück in die Zukunft” in einen DeLorean steigen – Martin Bang wollte dieses Erlebnis wirklich authentisch gestalten. Mitarbeiter und Schwebodrom-Führer Markus Schuberth erinnert sich: „Lediglich eine virtuelle Reise zu präsentieren, war uns nicht genug. Wir wollten ein Gesamterlebnis anbieten und hatten das große Glück, dieses alte Fahrzeug aus dem Jahr 1900 – die sogenannte Nuller-Serie – entdeckt zu haben. Die Freunde der historischen Schwebebahn wollten den Wagen selbst renovieren, scheiterten aber daran. Daher konnten wir den entkernten Waggon ins Schwebodrom transportieren und hier renovieren und mit VR-Technik ausstatten.” Eine spektakuläre Aktion, die unter Einsatz von Kran und schwerem Gerät medial für Aufmerksamkeit und bei der gegenüber gelegenen Apotheke für Angstschweiß sorgte. Schließlich ist der Wagen zwölf Meter lang, die Fußgängerzone allerdings nur 13 Meter breit. „Da war absolute Maßarbeit gefordert, die mehrere Stunden gedauert hat”, erinnert sich Schuberth. Da alles gut gegangen ist, können seit Oktober 2023 Interessierte mittels VRBrillen in einem Original-Schwebebahnwagen eine Reise durch das Wuppertal des Jahres 1929 machen. Und das Konzept wird bestens angenommen. „Wir beschränken jeden Zeit-Slot auf 20 Personen und bieten 15 Slots pro Tag an. Der Rundgang dauert 75 Minuten. Ende vergangenen Jahres konnten wir den 100.000. Gast begrüßen.” Wer jetzt Lust bekommen hat, sich einmal selbst auf Zeitreise zu begeben, der kann das mittwochs bis sonntags ab 11 Uhr am Werth 96 in Wuppertal-Barmen tun. Alle weiteren Informationen bekommt man auf der Homepage:
Micha Walmsley, Fotos: Micha Walmsley
