Andrea Stolzenberger hat in Oberburg einen Ort mit Seltenheitswert geschaffen: Wer ihr Domizil, das „Rosa Haus“, besucht, trifft auf quirlige Kreativität, Köstlichkeiten aus dem Backofen und eine außergewöhnliche Hausherrin, mit der die Zeit wie im Flug vergeht.
Es duftet nach Plätzchen. Andrea Stolzenberger bittet lachend in ihre Küche. Und schon lässt sich dieser Ort ohne diesen Duft gar nicht mehr vorstellen. Auf der riesigen hölzernen Arbeitsplatte, die mitten im Raum steht, trocknen gerade Lebkuchensterne mit glitzerndem Icing. An vielen Haken hängen bunte Weihnachtstassen. Das Küchenwerkzeug steht in großen Gefäßen, die wie Schneekugeln und Weihnachtsbäume aussehen. Und hinter den Herdplatten ist eine riesige Folie befestigt, die an einen Briefumschlag an Santa Claus erinnert. Andrea Stolzenberger setzt sich an den Küchentisch, greift zu der kleinen Tüte mit Icing und setzt ihre Arbeit an einem Lebkuchenhaus fort. „Ich habe morgen einen Workshop“, erzählt sie, „da ist es immer schöner, wenn ich schon ein bisschen vorbereitet habe.“ Sie bittet Platz zu nehmen – auf einer Bank mit unzähligen Weihnachtskissen. Sie hat den Tisch gedeckt mit kleinen Katzentellern. Auf weihnachtlichen Tortenplatten, unter bunten Porzellanhauben warten Kürbiskuchen, Red-Velvet Gebäck mit weißem Icing und Schokokuchen. Tee dampft in großen Tassen. Es ist ein Ort zum Wohlfühlen – von jetzt auf gleich.
Ein Traum in Rosa zum Wohnen und Arbeiten
„Ich habe immer von diesem Haus geträumt“ erzählt Andrea Stolzenberger. Schon damals, als sie noch als Modedesignerin bei großen Marken arbeitete, hatte sie dieses rosa Holzhaus vor Augen, das irgendwann ihr Zuhause werden sollte. Erst zog sie mit ihrem Mann in einen alten Kotten in Solingen, dann fanden die beiden das Baugrundstück in Oberburg – und bauten endlich ihr rosa Haus. „Das war gar nicht so einfach“, erzählt sie und
erinnert sich an Vorschriften, Anträge und Komplikationen. Seit 13 Jahren ist dieser besondere Ort in Oberburg nun ihr Zuhause – und gleichzeitig ihr Arbeitsort. Denn ihren Beruf als Modedesignerin hat sie an den Haken gehängt. „Mein erstes Backbuch hat sich vor mehr als 13 Jahren 25.000 Mal verkauft“, erzählt sie, „dann habe ich gekündigt.“ Und seit dem verdient sie ihr Geld mit Backbüchern und Workshops. Ihr Haus ist – genauso wie sie selbst – inzwischen zu einer Berühmtheit geworden. Während das Gebäude zuletzt im Film „Der Buchspazierer“ seinen großen Auftritt hatte, ist die Bewohnerin als kreativer Kopf über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt.

Alles ist mit viel Liebe aufeinander abgestimmt
Die Fassade und die Räume des Hauses schmückt sie den Jahreszeiten entsprechend. Erst zum Valentinstag, dann
zu Ostern, im Sommer, zu Halloween und natürlich zu Weihnachten. Sie liebt England und das britische Lebensgefühl. Das spiegelt sich auch in den vielen, besonderen Kleinigkeiten wider, die sich auf Regalen, Bänken und Brettern entdecken lassen. Und trotzdem: Überladen wirkt hier nichts, stattdessen mit viel Liebe aufeinander abgestimmt.
Nach dem ersten Backbuch lud sie die Menschen zum ersten Mal in ihr besonderes Zuhause ein – zum Afternoon Tea in den Garten. Auf Etageren serviert sie auch heute noch während der Sommermonate unglaubliches Gebäck in einer einzigartigen Atmosphäre. „Wenn du so viel backst wie ich, dann willst du andere probieren lassen“, sagt sie. Deswegen das Buch, das ganz deutlich ihre kreative Handschrift trägt. Und deswegen auch die Workshops: Sie backt mit den Teilnehmerinnen kleine Kunstwerke, die auch noch schmecken. Dann erlaubt sie den Menschen, an dieser besonderen Atomsphäre ihres Hauses teilzuhaben. „Das fällt einem natürlich besonders leicht, wenn die Leute nett sind“, sagt sie mit ihrem schwäbischen Dialekt, durch den sie ihre Heimat nicht verleugnen kann – und einer ordentlichen Prise britischem Mundwerk. Die Menschen fühlen sich bei ihr wohl. Das zeigt sich auch
auf den Social Media Kanälen von Andrea Stolzenberger. Inzwischen nimmt ihr kleines Lebkuchenhaus Gestalt an.
Und auf dem Katzenteller sind nur noch ein paar letzte Krümel zu finden.
Theresa Demski, Fotos: Christian Beier & Theresa Demski

