Der Altenberger Dom in Odenthal gehört zu den beeindruckendsten Gebäuden NRWs. Die gotische Baukunst im idyllischen Dhünntal blickt auf eine bewegte Vergangenheit und steht in enger Verbindung zu den Grafen von Berg, darunter auch der Namensgeber unseres Magazins.
Der Adlige Bernhard von Fontaine konnte 1113 kaum ahnen, dass er einmal in die Geschichtsbücher eingehen würde. Damals trat er mit etwa 30 Freunden und Verwandten in das Kloster Cîteaux nahe der französischen Stadt Dijon ein und wurde als der spätere Heilige Benedikt zur wohl wichtigsten Person des Zisterzienserordens. Und auch 1000 Jahre später ist sein Einfluss im Bergischen Land noch zu spüren. Denn im schönen Dhünntal, kurz vor den Toren Kölns, steht ein wahres Wunderwerk gotischer Baukunst, der Altenberger Dom, der im 13. Jahrhundert vom Orden der Zisterzienser erbaut wurde. „Zum Aufschwung der Zisterzienser trug wesentlich bei, dass die konkurrierenden Mönche des Cluniazenser-Ordens wegen ihres Wohlstands die vom Heiligen Benedikt vorgeschriebene körperliche Arbeit eingestellt hatten und recht aufwendig lebten. Dafür beteten sie aber mehr, weil man beim Beten keine Blasen an den Händen bekommt, wie ich manchmal sage“, erzählt schmunzelnd Domführer Dr. Gert Tröger, „Dies war Bernhard ein Dorn im Auge. Er gründete bereits zwei Jahre später das Kloster Clairvaux, reiste durch ganz Europa und entfachte mit seinen Predigten vom reinen und wahren klösterlichen Leben, das die Zisterzienser-Mönche fortan auch zur Handarbeit verpflichtete, einen Sturm der Begeisterung. Denn er war wohl“, so Gert Tröger, „mit Respekt gesagt, ein Mensch, der andere Menschen um den Finger wickeln konnte. Mit seiner rasch anwachsenden Anhängerschar gründete Bernhard von Clairvaux neue Klöster von Schweden bis nach Sizilien und von Irland bis nach Polen und Ungarn. Als er dann im Jahr 1153 starb, hatte der Zisterzienserorden bereits weit über 300 Klöster in ganz Europa errichtet“, ist von dem in der Kirchengeschichte bestens bewanderten Domführer weiter zu erfahren
Als die Grafen von Berg an die Wupper zogen

1133 rief Graf Adolf von Berg die Zisterzienser-Mönche auf seine ehemalige Stammburg Berg, die auf einem Felssporn im Tal der Dhünn lag. Da die Familie „de Berge” eine neue Burg an der Wupper – heute Schloss Burg – hatte bauen lassen, überließ sie ihr altes Domizil den Zisterziensern. Doch die Ordensbrüder blieben nicht lange im Gemäuer auf dem Felsen, sondern suchten sich – mit Anschluss an fließendes Gewässer – im Tal einen Bauplatz für ein neues Klostergebäude. 1259 legte der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden in dem Kloster den Grundstein für eine neue Kirche im gotischen Stil, den heutigen Altenberger Dom. Es dauerte aber über 100 Jahre, bis die Mönche 1379 ihre Klosterkirche fertigstellen konnten und damit eine der schönsten gotischen Kirchen Deutschlands geschaffen hatten. Über viele Jahrhunderte diente die Abteikirche als Grablege für die Familie „de Berge”. Denn in der Basilika ließen sich mindestens ein Dutzend Grafen von Berg, die Namensgeber des „Bergischen Landes“, beisetzen.
Hier liegt das Herz des Heiligen Engelbert
Als Zeichen der besonderen Verehrung wird im Altenberger Dom auch das Herz von Engelbert II. dem Grafen von Berg und späterem Erzbischof von Köln, aufbewahrt. Vor mehr als 800 Jahren wurde der bei der Bevölkerung beliebte Reichsfürst am 7. November 1225 mit rund 50 Messerstichen getötet. Sein Vetter und politischer Widersacher Friedrich von Isenberg überfiel Engelbert mit seinen Truppen und weiteren Adeligen am Gyeviliberch, dem heutigen Gevelsberg. Die Gebeine von Engelbert II. werden heute in einem barocken Schrein in der Schatzkammer des Kölner Doms aufbewahrt. Das separat bestattete „Herz des Heiligen“ befindet sich als Reliquie im Altenberger Dom, dem Memorialort seiner Ahnen, den Grafen von Berg.
Engelbert gilt als großer Visionär und Wegbereiter des Altenberger Doms. Als Reichsverweser für König Friedrich II. verfügte Engelbert über großen Einfluss, er erzog den jungen Heinrich VII. und krönte ihn 1222 in Aachen zum König. Engelbert trat gegen jede Unterdrückung des Volkes durch die habgierigen Landvögte ein und bewirkte damit einen, religiösen und wirtschaftlichen Neubeginn. Andererseits trug ihm das den Hass vieler adeliger Standesgenossen ein. Gleichzeitig wurde er sehr bald zum Schirmherrn der Armen und Schwachen, eben zum Schutzpatron St. Engelbert, der jedes Jahr am 7. November geehrt wird. Ein lebensgroßes Reiterstandbild des Grafen Engelbert II. zu Berg ist auch vor Schloss Burg zu bewundern.


Der Preußische König rettete den Dom
Der Altenberger Dom überstand im Laufe der Jahrhunderte etliche Krisen. 1349 starb ein Drittel der Bevölkerung im Rheinland an der Pest, 1815 wurden die meisten Bauten der Abtei und das Dach des Doms durch einen Brand der mittlerweile als chemische Fabrik dienenden Klostergebäude zerstört. Durch Witterungsschäden stürzten Anfang 1830 dann das südliche Querschiff und die Gewölbe von Vierung und Chor ein. Ein kompletter Einsturz wie bei Notre Dame in Paris blieb dem Gotteshaus aber erspart. Die Bronzeskulptur von Werner Franzen symbolisiert die Ökumene. „Als Karl Friedrich Schinkel, der Baumeister des Preußischen Königs, die Schäden inspizierte, bezeichnete er den Altenberger Dom als „ganz vollendet schön“ und bat König Friedrich Wilhelm III. um Unterstützung“, berichtet Gert Tröger weiter. Bevor die Kirche einstürzen konnte, bewilligte der König insgesamt etwa 20.000 Thaler, sein Sohn Friedrich Wilhelm IV. ließ das Gotteshaus wieder vollständig wiederherstellen.
Ein Ort ökumenischen Miteinanders und Ziel für Wanderer
Nach den umfassenden Renovierungsarbeiten durch das Land NRW, die 1994 begannen, erstrahlt der Dom mit dem größten durchgängigen Kirchenfenster nördlich der Alpen heute wieder in neuem Glanz. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. verfügte 1857 bereits eine simultane Benutzung des Doms durch katholische und evangelische Christen. Und auch heute wird das Gotteshaus in einem guten ökumenischen Miteinander vier Stunden am Tag von der Evangelischen Gemeinde Altenberg, den Rest der Zeit von der Katholischen Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt genutzt. In der Basilika finden regelmäßig Sonderveranstaltungen der Altenberger Dommusik und Kammerkonzerte statt. Und so können Besucher der großen Domorgel, die mit 89 Registern zu den größten und klanggewaltigsten Instrumenten in Deutschland zählt, andächtig lauschen. Auch die überaus interessanten Domführungen sollten sich Besucher nicht entgehen lassen. Und wem das alles noch nicht reicht, der kann auf dem „Grafen- und Mönchsweg“ des „Bergischen Wanderlands“ die gute Luft genießen und/ oder in den Restaurants und Hotels von Odenthal einkehren. Auf die Spuren der späteren Grafen von Berg führt etwa der 11,4 Kilometer lange Rundweg in Form einer „8“ durch das Dhünntal und auf die benachbarten Höhenrücken.
Ernst Leiste, Fotos: Ernst Leiste, Roland Keusch
