Unverpackter Zusammenhalt im Bergischen

Sie tragen kreative Namen wie „Naturfülle”, „groß & KLEIN” oder „Krämerladen” und haben ausschließlich Gutes im Sinn: Unverpacktläden sind längst keine Seltenheit mehr, denn das Konzept von unverpackten Lebensmitteln zur Vermeidung von Müll, Plastik und unnötigen Emissionen kommt an. Auch im Bergischen gibt es solche Ladengeschäfte, die sich bundesweit im Unverpacktverband organisieren.

Das Schöne am Unverpacktverband ist, dass es keinerlei Konkurrenzkampf gibt. Wir arbeiten eng zusammen, um die Sache weiter nach vorne zu bringen”, sagt Maike Niermann, die mit ihrer „Naturfülle” in Schwelm kürzlich in ein größeres Ladenlokal gezogen ist. „Ich habe hier in Schwelm eine treue Stammkundschaft, aber auch Leute aus Gevelsberg, Ennepetal oder Witten kommen zu mir.” Der Gedanke dahinter ist so logisch wie einfach umzusetzen. Viele Lebensmittel wie Nudeln, Linsen, Reis oder auch Süßigkeiten wie Gummibärchen benötigen keine Verpackung aus Plastik. Viele Hersteller setzen bereits auf Papier, aber die Unverpacktläden möchten mehr als nur einen Schritt weitergehen.

Kurze Wege, weniger Müll

Unverpackt – der Name lässt natürlich darauf schließen, dass es den Läden darum geht, Verpackungsmüll zu vermeiden. Das ist jedoch nur ein Aspekt des Konzeptes, wie Diana Lantzen, Teil des fünfköpfigen Vorstands des Unverpacktverbandes, erklärt: „Uns geht es um wesentlich mehr als nur um die Vermeidung von Verpackungsmüll. Wir legen Wert darauf, dass unsere Produkte so regional wie möglich bezogen werden können. Im Sinne der Vermeidung von Emissionen bringt es ja wenig, wenn wir die Produkte erst über größere Distanzen hinweg transportieren müssen. Zusätzlich achten wir bei jedem noch so kurzen Weg darauf, dass wir sinnvolle Verpackungsmöglichkeiten wie Papiersäcke für Hafer oder auch große Pfandeimer nutzen. Wie zum Beispiel bei fair gehandelten Cashews, die wir aus Freiburg beziehen.” Unverpackt bezieht sich also nicht allein auf die Endkundschaft – auch die Läden sorgen dafür, dass das Konzept möglichst ganzheitlich und nachhaltig gelebt wird. Große Gebinde aus Papier oder Mehrweggebinde sind hier das Mittel der Wahl und machen einen immensen Unterschied. Durch diese Herangehensweise entsteht eine neue Infrastruktur zwischen den Läden und den Lieferanten. Hier setzt man auf Hersteller, die selbst Papier- oder Pfandgebinde nutzen. Doch das war nicht immer so. Anfangs waren die Unverpacktläden auf die gängigen Lieferanten für die Gastronomie angewiesen. Und da gab es zehn Kilo Nudeln nun mal im Plastikbeutel – weil sie so einfacher zu lagern und zu transportieren sind. Aber nach dem Vorschlag der Unverpacktläden, es einmal mit Papier zu versuchen, haben einige Lieferanten ihr System umgestellt. Wo ein Wille, da ein nachhaltigerer Weg.

Stärker im Verband

Synergieeffekte wie diesen erhoffen sich die Händler durch ihren Zusammenschluss im Unverpacktverband. Seit 2018 vertritt dieser die Interessen der 169 teilnehmenden Läden und unterstützt mit Hilfe von aktuell 119 Fördermitgliedern die ideellen, rechtlichen, wirtschaftlichen sowie arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Anliegen der Unverpacktläden in Deutschland. Der Verband steht für Abfallvermeidung, Ressourcenschutz und Gemeinwohlorientierung und ist als starkes Kollektiv in Politik, Forschung und Bildung aktiv, um die stetig wachsende Community zu unterstützen. „Als Verband sind wir gerade dabei, eine Einkaufsgenossenschaft zu gründen, um unseren Einkauf noch weiter zu optimieren. Wir wollen dieses lineare System eben auf allen Ebenen durchbrechen. Das ist mit viel Aufwand und Arbeit verbunden, denn man muss die Pfandbehälter zum Beispiel auch jedes Mal reinigen und den Rücktransport organisieren. Da sind wir auch froh über die Unterstützung unserer Fördermitglieder, zu denen auch unsere Lieferanten wie Völkl oder der Kekshersteller Sommer aus NRW zählen. Für die Mitglieder des Verbandes können wir so natürlich auch Rabatte oder Sonderkonditionen aushandeln. Ich würde uns aber generell als Interessenverband für Verpackungsrevolution und andere Denkweisen im Abfallsystem beschreiben”, sagt Lantzen über die Arbeit im Verband.

Gesegelte Schokolade

Sich einmal mit dem Thema Unverpackt, den Läden und dem Verband zu beschäftigen, lohnt allemal, um den eigenen Horizont zu erweitern und Möglichkeiten zu entdecken, im eigenen Alltag etwas zu bewirken. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Tafel gesegelter Schokolade? Das Unternehmen „Chocolate Makers” aus den Niederlanden lässt sich den Kakao aus der Dominikanischen Republik und Kolumbien in vier Monaten ausschließlich mit Windkraft, ohne CO²-Emissionen, mit einem Segelschiff nach Amsterdam liefern. Dort wird seit 2019 Schokolade solarbetrieben hergestellt und mit dem Fahrrad nach Deutschland transportiert.

Groß und klein – fast alles geht unverpackt

Fans des Verbandes sind auch Stefanie und Patrick Leo, die seit 2021 in Solingen den Unverpacktladen „groß & KLEIN” führen. Schwerpunkte des Angebots sind unverpackte Waren der Grundnahrungsmittel, aber auch Trockenfrüchte, Nüsse, Kekse, Süßigkeiten, Knabbersnacks, Tee oder Kaffee. Stolz erklärt Stefanie Leo, dass ihr Laden für vermutlich eine der größten Gewürzabteilungen in Bio-Qualität in Solingen und Umgebung bekannt ist. Ihre eigenen Ziele decken sich mit denen des Verbandes. „Lebensmittelverschwendung minimieren durch bedarfsgerechten Einkauf, Reduzierung unnötiger Verpackungen, Unterstützung fairer Lieferketten, Koordination eines gemeinschaftlichen, starken Marktauftritts zur Optimierung der Beschaffung sowie geballtes Wissen an einem Ort. Dafür stehen wir mit dem Laden und als Kollektiv im Verband.” Wer sich weiter über den Verband oder Läden in der eigenen Umgebung informieren möchte, kann das auf der Homepage des Verbands tun. Unter unverpacktverband.de bleiben keine Fragen offen. Es kann so einfach sein, einen positiven Beitrag zu leisten.

Patrick und Stefanie Leo betreiben in Solingen den Unverpacktladen „groß & KLEIN“. Foto: Leon Sinowenka

Micha Walmsley

Unverpackt-Läden im Bergischen

Solingen
Groß und Klein | Keldersstraße 11

Wermelskirchen
Krämerladen | Kölner Straße 46

Radevormwald
Ausgewogen unverpackt | Blumenstraße 7

Bergisch Gladbach
BÜGGEL – bergisch unverpackt | Nußbaumer Straße 7

Schwelm
Naturfülle | Hauptstraße 69