„Zeigen, in welch herrlicher Gegend wir leben“

Herr Kob, welche Bedeutung hat der ENGELBERT für unsere Region?

Stefan Kob: Ich glaube ganz unbescheiden, dass der ENGELBERT unsere bergische Region ein bisschen besser macht. Einfach, indem wir mit starken Geschichten und tollen Bildern einmal im Quartal zeigen, in welch herrlicher Gegend wir eigentlich leben. Denn das Bergische wird häufig unterschätzt – nicht nur von außen, sondern auch von den Menschen, die hier leben. Mit unseren Geschichten über die schönen, überraschenden und spannenden Seiten der Region tragen wir vielleicht ein wenig dazu bei, dass diese auch gesehen werden. Und dass man sich mit ihnen identifiziert. Ein so positives Umfeld ist natürlich auch für werbende Unternehmen sehr interessant.

Wie entstand der ENGELBERT – und welche persönlichen Erinnerungen verbinden Sie mit dieser Entstehungsgeschichte?

Stefan Kob: Ich denke da vor allem an einen Zufall. Wir hatten den Plan, ein Hochglanzmagazin für Solingen auf den Markt zu bringen, schon seit Längerem in der Schublade. Aber dann kam eben immer wieder etwas anderes dazwischen, so etwas wie die Übernahme des Remscheider General-Anzeigers etwa (lacht). Doch dann kam im Jahr 2011 ein guter Kunde auf uns zu: der Autohändler Franz-Josef Schönauen. Er schätzt bis heute die Werbekraft unserer Medien. Er wünschte sich jedoch auch einmal ein Produkt, das nicht über leere Stadtkassen, kaputte Straßen oder Kriminal fälle berichtet. Eines, das die Bilderbuch-Seiten der Stadt in den Mittelpunkt stellt. Und die schönen Dinge, die das Leben einfach lebenswerter machen. Das deckte sich fast hundertprozentig mit unseren Überlegungen – und wenige Monate später erblickte der ENGELBERT das Licht der Welt. Und ich erinnere mich noch gut an die Diskussionen, wie denn ein solches Hochglanzmagazin heißen soll. Da waren schon ein paar lustige Ideen dabei. Bei „Engelbert“ hielten alle erst einmal die Luft an. Doch dann war die Begeisterung groß. Denn da ist auf der einen Seite der etwas altertümliche Vorname, was einen perfekten Kontrast zu einem modernen Magazin bildet. Da ist aber vor allem Graf Engelbert als die bergische Identifikationsfigur schlechthin. Wie weise die Entscheidung war, stellte sich spätestens 2014 heraus, als das ursprünglich für die Klingenstadt konzipierte Heft dann den Schritt nach Remscheid, Wermelskirchen, Burscheid, Hückeswagen und Haan wagte.

Wie hat sich das Magazin im Laufe der Jahre verändert?

Stefan Kob: Na ja, eben zum Beispiel durch die Erweiterung in die Region. Was auch dringend nötig war, da die Menschen mobil sind. Und für ein interessantes Thema auch ein paar Kilometer fahren, etwa für ein tolles Restaurant oder eine spannende Ausstellung. Ansonsten ist die DNA vom ENGELBERT heute dieselbe wie vor 15 Jahren. Die Redaktion ist oft selbst überrascht, wie viele Lifestyle-Themen in der Region immer noch unentdeckt am steinigen Wegesrand liegen. Und wie viele Highlights unsere Städte zu bieten haben, denen sich der ENGELBERT vielleicht einmal auf eine ungewöhnliche Weise nähert. Und wie viele spannende Menschen es hier gibt, die etwas zu erzählen haben. Was sich allerdings noch verändert hat ist, dass der ENGELBERT erfolgreiche große Geschwister bekommen hat. Etwa zu den Lifestyle-Themen Essen und Trinken oder Mobilität.

Stefan Kob (2. v.r.) gehörte dem ENGELBERT-Team an und prägte die Entwicklung des Magazins von der ersten Stunde an maßgeblich mit

Was waren Ihre Lieblingsthemen und welche Artikel sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Stefan Kob: Hm, schwierige Frage. Ich würde sagen, die Mischung macht‘s. Klar hat man die eine oder andere Geschichte schon noch in Erinnerung. Ein Höhepunkt direkt am Anfang war sicher die Verleihung des Solinger Ehrenpreises „Die Schärfste Klinge“ an den späteren Bundespräsidenten Joachim Gauck, die es noch in buchstäblich letzter Sekunde ins Magazin geschafft hatte. Ein Highlight war sicher auch der Termin beim damaligen Solinger Geschäftsführer von Bayer 04, Michael Schade, in der Leverkusener BayArena, gemeinsam mit dem Redakteur der ersten Stunde, Daniel Juhr. Es war beeindruckend, nicht nur einen Blick hinter die Kulissen eines solch erfolgreichen Proficlubs werfen zu können, sondern auch in die Seelenlage eines für den Erfolg oder Misserfolg verantwortlichen Managers.

Was denken Sie, wie sich der ENGELBERT in der Zukunft verändern wird?

Stefan Kob: Mein Wunsch wäre, dass der ENGELBERT bitte so bleibt, wie er ist. Bunt, positiv, spannend, informativ. Und natürlich erfolgreich. Denn damit das Heft kostenlos ausgelegt werden kann, müssen die 16.500 Exemplare auch finanziert werden. Und da kommt die werbetreibende Wirtschaft ins Spiel, die an dem Heft hoffentlich weiter so viel Freude hat wie die Leserinnen und Leser. Unser Magazin kann ja inzwischen auch online, und das sehr gut. Da liegt sicherlich noch Potenzial. Aber die Basis soll das in Hochglanz gedruckte Magazin bleiben, das einfach auch ein haptisches Erlebnis bietet.

Wie sieht Ihre Zukunft nach ENGELBERT und der Zeit beim Boll-Verlag aus?

Stefan Kob: Das weiß ich noch nicht (lacht). Weil die Zeit danach ja noch nicht richtig begonnen hat. Ich schreibe nämlich weiterhin meine samstägliche Kolumne „Mein Blick auf die Woche” im Solinger Tageblatt und bin daher nach wie vor tief in den Themen Politik und Gesellschaft drin. Aber natürlich spüre ich jetzt auch eine gewisse Entspannung und habe mehr Zeit für private Dinge. Zum Beispiel für meine insgesamt zwölf Enkelkinder. Und dafür, den ENBELBERT nicht mehr vorher in der Druckversion am Bildschirm, sondern entspannt bei einem Cappuccino zu Hause oder im Café lesen zu können.

Das Interview führte ENGELBERT-Redakteur Christian Werth, Fotos; Christian Beier