In vielen Städten des Bergischen Landes gab es einen Wechsel an der Stadtspitze, was für frischen Wind in den hiesigen Kommunen sorgen soll. ENGELBERT-Autorin Heike Karsten hat die neuen Bürgermeister nach ihren Lieblingsgerichten gefragt und was für sie ein gutes Essen ausmacht. Überraschend: Fast alle stehen gern selbst am Herd.
Mario Moritz – Bürgermeister von Hückeswagen

Deftiger Auflauf aus Kindertagen: Mein Lieblingsgericht ist der Spinat-Hackfleisch-Auflauf mit Pasta – ein Rezept, das ich von meiner Mutter übernommen habe. Schon als Kind habe ich mir diesen Auflauf zu besonderen Anlässen, vor allem an meinem Geburtstag, gewünscht. Er verbindet zwei Seiten: den kräftigen, gesunden Spinat und die herzhafte Pasta mit Hackfleisch, die dem Ganzen einen nie die italienischen Charakter verleiht. Das Ergebnis ist ein sättigendes, deftiges Gericht, das dennoch ausgewogen wirkt. Heute bereite ich den Auflauf oft selbst zu, und er ist auch bei meiner Frau sehr beliebt. Besonders praktisch finde ich, dass er sich gut vorbereiten lässt und auch am nächsten Tag direkt aus dem Kühlschrank noch hervorragend schmeckt – fast noch aromatischer, wenn die Zutaten richtig durchgezogen sind. Bei einem guten Essen darf für mich neben dem Geschmack Geselligkeit fehlen. Ein Gericht wie dieser Auflauf wird erst dann wirklich rund, wenn man ihn gemeinsam genießen kann.
Sven Wolf – Oberbürgermeister von Remscheid

Kochen für Freunde und Mitarbeiter: Lieblingsgericht habe ich mehrere, aber besonders gerne koche ich einen Spitzkohlauflauf. Dazu gehören Kartoffeln, Hackfleisch und eine ordentliche Mehlschwitze. Zum Schluss gebe ich noch etwas Parmesan obendrauf. Vor der Mehlschwitze hatte ich sehr großen Respekt und habe es mir deshalb von meiner Mutter oft zeigen lassen. Keine Raketenwissenschaft ist die Herstellung eines Mürbeteigbodens für die gedeckte Apfeltorte. Meine Oma hat mir die Tricks dazu gezeigt: Der Teig sollte nicht zu lange geknetet werden. Ich rolle ihn anschließend auf Backpapier aus und stelle den Rand der Form darauf. So hat man gleich die richtige Größe. Aus dem Rest des Teiges wird der Rand geformt. Es macht mir Spaß, für Freunde und das Mitarbeiterteam zu kochen, wobei ich auch gerne neue Rezepte ausprobiere. Zu einem guten Essen gehören für mich viele Leute und ein schön gedeckter Tisch.
Bernd Hibst – Bürgermeister von Wermelskirchen
Forellen aus dem Räucherofen: Ich habe kein spezielles Lieblingsgericht. Es sind vielmehr verschiedene Gerichte, die ich gerne esse. Da wären zum Beispiel frisch geräucherte Forellen, ein leckeres Steak, Rippchen oder Pulled Pork. Mein Vater hat früher Forellen geräuchert – damals war das mein absolutes Lieblingsgericht. Heute räuchere ich die Forellen gerne selbst, aber nur ein bis zwei Mal im Jahr. Es erinnert an frühere Zeiten. Das Wichtigste bei einem guten Essen ist für mich die Gesellschaft von Familie und guten Freunden.
Vincent Endereß – Bürgermeister von Haan
Fränkisch geprägte Küche: Meine Großeltern väterlicherseits kamen aus Franken und haben die fränkische Küche mit in die Familie gebracht. Am liebsten esse ich Rouladen mit Klößen und Rotkohl, bei denen das Rezept von Generation zu Generation weitergegeben wird. Hin und wieder koche ich auch selber, aber nur selten alleine. Ein gutes Gericht mit mehreren Komponenten bereite ich am liebsten zu zweit zu. Gutes Essen ist mehr als Nahrung: Geselligkeit oder ein guter Anlass macht das Essen zu etwas Besonderem.
Daniel Flemm – Oberbürgermeister von Solingen

Pistazieneis zum Nachtisch: Mein Lieblingsgericht sind Apfelpfannekuchen – die wurden mir erst immer von meiner Oma, dann von meiner Mutter und jetzt von meiner Frau gemacht. Allerdings hat sich das Rezept immer etwas „mitentwickelt“. Davon ab bin ich zufrieden, wenn ich irgendwo Pommes bekomme. Ich esse auch oft auswärts in Restaurants. Wir haben in Solingen tolle Gastronomie, die ich mehrmals in der Woche besuche. Was für mich dabei wichtig ist: Eine gute Atmosphäre, nette Gesprächspartner und Vanille- oder Pistazieneis zum Nachtisch. Wenn der Kalender sehr voll ist, darf es aber auch mal Fast Food sein.
Dejan Vujinovic – Bürgermeister von Radevormwald

Ungarischer Eintopf nach dem Urlaub: Omas Schupfnudeleintopf mit Hackbällchen ist mein Lieblingsgericht. Den richtigen Namen kenne ich nicht. Bei uns heißt es nur „das ungarische Essen“. Da mein Opa die Schupfnudeln für den Eintopf selbst gemacht hat, war die Zubereitung recht aufwendig, so dass es dieses Essen nur relativ selten gab – zum Beispiel immer dann, wenn ich mit meinen Eltern aus dem Urlaub nach Hause kam. Darauf haben wir uns noch mehr gefreut, als auf den Urlaub. Nachgekocht habe ich das Rezept bisher nur einmal – sogar erfolgreich. Zu einem guten Essen gehören für mich gute Gespräche und ein leckeres Glas Wein.
Fotos: ettyImages/from_my_point_of_view, privat, Thomas E. Wunsch, CDU Solingen
