Wo einst die Schleifsteine Funken sprühten, fliegen heute die Sahnetorten – zumindest auf der Leinwand. Hinter den ehrwürdigen Mauern des Walder Kottens hat der feine Unfug ein festes Zuhause gefunden. In diesem Denkmal der Industriegeschichte schlägt seit 20 Jahren das Herz aller Fans von Stan Laurel und Oliver Hardy.
Dieser „Palast des guten Humors“ wird von Wolfgang und Vera Günther betrieben. Das Ehepaar hat sein Leben dem wohl bekanntesten Komiker-Duo der Filmgeschichte gewidmet. An jedem letzten Wochenende im Monat öffnen die beiden die Türen zu dieser Welt voller Slapstick und Nostalgie. Der Eintritt ist kostenlos, doch Spenden sichern die Zukunft dieses besonderen Ortes. Die Geschichte des Museums ist auch die Geschichte einer großen Leidenschaft, die zwei Menschen miteinander verband – und auch heute noch verbindet. Wolfgang Günther aus Solingen und die Niederländerin Vera Schuitemaker begegneten sich 1968 in Österreich. Zwei Jahre später waren sie verheiratet. Schnell fanden sie ihre gemeinsame Begeisterung für den Stummfilm. Neben Charlie Chaplin und Buster Keaton galt ihre größte Bewunderung Laurel und Hardy.

Mit einem Super-8-Projektor fing alles an
Die Verbindung zwischen ihnen war so stark, dass Vera ihre Heimatstadt Amsterdam verließ, um nach Solingen zu ziehen. Ihre Sammelleidenschaft entbrannte sofort. Alles begann mit einem Super-8-Projektor, den Vera ihrem Mann schenkte. Auf einem Flohmarkt in Amsterdam erwarben sie fortan Filmrollen der beiden Komiker. Wolfgang erinnert sich schmunzelnd, dass am Verkaufsstand auf der linken Seite die Pornofilme lagen und rechts die von Dick und Doof. Er zögerte nur kurz, entschied sich dann aber für die richtige Seite. In den folgenden Jahren sammelten die Günthers unzählige Exponate. Ihre ständig wachsende Sammlung erregte das Interesse von immer mehr Menschen. Bald reichten die eigenen vier Wände nicht mehr aus, und sie stellten ihre Schätze in einer eigens angemieteten Wohnung aus. So verwandelte sich die private Leidenschaft in ein privates Museum. Der Wendepunkt kam durch das Fernsehen. Nach einem Auftritt von Wolfgang Günther im WDR in der Sendung „Gesucht – gefunden“ erhielten das Ehepaar unzählige Anrufe und Briefe. Die enorme Resonanz von Gleichgesinnten aus ganz Deutschland und sogar aus der damaligen DDR zeigte die ungebrochene Popularität des Komiker-Duos. Daraufhin gründeten Wolfgang und Vera Günther 1985 den ersten deutschen Laurel & Hardy Fanclub. Dieser gehört zur internationalen Organisation „Sons of the Desert“, benannt nach einem Film der Komiker von 1933. Darin versuchen die Protagonisten, Mitglieder ebenjenes Clubs, ihre Ehefrauen auszutricksen. Stan Laurel persönlich gab der Clubgründung seinen Segen, allerdings unter der Bedingung, dass der Humor stets an erster Stelle stehen solle und der eine oder andere Cocktail genossen werde.
Im Jahr 2003 fand das Museum nach einem unfreiwilligen Umzug mit Unterstützung der Stadt Solingen seinen neuen Standort im Walder Kotten. Dort können die Besucher in die faszinierende Welt von Dick und Doof eintauchen. Die abwechslungsreiche Ausstellung bietet eine Vielzahl von Filmplakaten, historischen Fotos und originalen Programmheften. Zudem werden private Dokumente der Künstler, unzählige Figuren und eine Reihe von Sammlerstücken präsentiert. Ein ganz besonderes Highlight ist die einzige Schellack-Platte, die Laurel und Hardy jemals aufgenommen haben. Sie entstand 1932 in London. Das Herzstück des Museums ist jedoch das kleine Kino, in dem die Besucher ihr eigenes Filmprogramm aus den insgesamt 106 Werken von Laurel und Hardy zusammenstellen können. Besonders populär ist der Oscar-prämierte Film „The Music Box“ von 1932, in dem die beiden mit einem Klavier an einer scheinbar endlosen Treppe kämpfen. Wolfgang Günther, der kürzlich seinen 80. Geburtstag feierte, teilt sein umfangreiches Wissen gerne in persönlichen Gesprächen. Er hatte das Vergnügen, Lois Laurel, die Tochter von Stan Laurel, persönlich zu kennen. Von ihr hörte er viele private Anekdoten, die das Bild der beiden Komiker abrunden. Lois erzählte ihm, dass sie als kleines Mädchen Oliver Hardy nicht mochte, weil er oft ihren Vater „verprügelte“. Die Filmemacher änderten daraufhin eine Szene, in der Stan gelegentlich Olli „vermöbeln“ durfte. Stan Laurel war das kreative Genie hinter den Kulissen. Er entwickelte die Gags, schrieb die Drehbücher und führte bei vielen Filmen Regie. Oliver Hardy hingegen galt nach Wolfgang Günthers Einschätzung als der talentiertere Schauspieler. „In seiner Freizeit war der stattliche Komiker am liebsten auf dem Golfplatz anzutreffen, wo er, im Gegensatz zu manchem Präsidenten, eine beeindruckende Sammlung von Pokalen gewann“, sagt der Sammler schmunzelnd. Diese unterschiedlichen Charaktere ergänzten sich vor der Kamera perfekt. „Ihr Humor ist nach wie vor zeitlos, da er die Tücken des Alltags widerspiegelt“, weiß der Solinger. „Jeder kennt diese Momente, in denen einfach alles schiefgeht. Doch sobald sich eine dritte Person in ihr chaotisches Geschehen einmischt, stehen die beiden Freunde fest zusammen. Diese einzigartige Kombination aus Situationskomik, Schadenfreude und tiefem Zusammenhalt macht ihren Humor unvergänglich. Sogar jüngere Generationen sind davon begeistert. Wenn Großeltern mit ihren Enkeln das Museum besuchen, werden die Smartphones schnell vergessen. Fünf Minuten Film genügen, um neue lachende Fans für die nächsten 100 Jahre zu gewinnen.“
Laurel & Hardy Museum
Locherstr. 17, 42719 Solingen-Wald
Tel. 0212 – 81 61 09
info@laurel-hardy-museum.de
www.laurel-hardy-museum.de
Öffnungszeiten:
Das Museum ist an jedem letzten Wochenende im Monat geöffnet.
Samstag 12 Uhr bis 17 Uhr
Sonntag 11 Uhr bis 17 Uhr
Besuche außerhalb dieser Öffnungszeiten und Gruppenbesuche nach Absprache
Holger Bernert, Fotos: Luminar Neo
