Mordsgeschichten aus der Nachbarschaft

Mehr als 20 Autoren aus dem Städtedreieck haben sich zum Bergischen Krimikartell zusammengeschlossen. Sie wollen mit ihren Romanen ein breites Publikum fesseln.

Auf seinem Gruppenfoto hat sich das Bergische Krimikartell wie eine Mafia-Bande inszeniert. Dabei jagen sie eigentlich eher die Bösen, genauer gesagt: Die Protagonisten ihrer Geschichten machen das. Denn hinter dem Kartell stehen 21 Autoren aus dem Bergischen Land, die im Kriminalroman ihr Genre gefunden haben und die Region immer wieder zum Tatort machen. Die meisten von ihnen schreiben aus Leidenschaft, es ist für sie ein Hobby. Sie sind im „normalen Leben“ Grafikdesigner, Kunsthistoriker, Maschinenbauer oder Ruheständler. „Mit dem Krimikartell wollen wir gemeinsam stärker wahrgenommen werden. Wir merken, dass das auch wirkt“, sagt Koordinator Michael Itschert, der als Verleger beruflich einen Branchenhintergrund hat. Ebenso wie Daniela Schwaner, die als Lektorin arbeitet. Die beiden stehen dem Krimikartell vor.

Erst 5, dann 21

Die Idee zum Kartell kam 2023 bei einem Literaturstammtisch, an dem sich die beiden kennenlernten. Auffällig war, dass vor allem viele Krimiautoren dabei waren. Und statt als Einzelkämpfer unterwegs zu sein, schwebten ihnen gemeinsame Lesungen und Veranstaltungen vor. Aus einer Gruppe von anfangs fünf sind innerhalb von zwei Jahren 21 Autoren geworden. „Bei der Größe soll es auch erst einmal bleiben“, sagt Itschert. Statt auf Wachstum, will man sich nun auf Projekte und Veranstaltungen konzentrieren. Zu Lesungen geht es allerdings nicht nur in Bibliotheken und Buchhandlungen, sondern auch an ungewöhnliche, aber nicht unpassende Orte. Auf Einladung des Lions Clubs etwa trat man im Seziersaal der Pathologie am Helios Universitätsklinikum Wuppertal auf. Auch für die Krimiexperten eine neue, spannende Erfahrung. „Das war schon recht gespenstisch. Wir haben uns dann auch an den Seziertisch gesetzt und vorgelesen“, erzählt Daniela Schwaner. Und Michael Itschert erinnert sich, dass er mit kalten Räumen im wahrsten Sinne des Wortes gerechnet hatte: „Ich hatte mich extra warm angezogen, aber es war dann doch gut geheizt dort.“ Eine Erfahrung, die er vielleicht in eine seiner nächsten Geschichten einfließen lässt. Wie etwa auch der Tag, als er drei Stunden in einem Aufzug festsaß und dies später eine seiner Hauptpersonen durchmachen ließ.

Vorliebe trifft Fachwissen

Dass sich Vorlieben und Fachwissen in den Storys der Autoren wiederfinden, ist nur logisch. So gehört etwa eine Apothekerin zum Kartell, die in ihren Romanen gerne Gift mischt. Ein Zahnarzt im Ruhestand machte einen Berufskollegen zum Mordopfer, das erhängt an der Wuppertaler Schwebebahn aufgefunden wird. Michael Itschert wiederum ist seit seinem ersten Ostseeurlaub 1973 Fan der Küstenregion und hat auch sein aktuelles Werk „Zeitbombe Ostsee“ dort verortet. So hat er einen hochaktuellen Thriller verfasst, bei dem es um plötzlich auftauchende Drohnen, Militärstützpunkte und Schiffe auf Zickzackkurs geht. Der 60-Jährige, der bereits seit 1990 einen eigenen Verlag betreibt, veröffentlichte 2007 seinen ersten regionalen Krimi. Damals mit einer Handlung im Rheinland.

Schauplatz Nordsee oder Südfrankreich

Andere Autoren des Bergischen Krimikartells entführen ihre Leser an die Nordsee oder nach Südfrankreich. Daniela Schwaner bleibt aber ihrer Heimat treu: Ihr ungleiches Geschwister-Duo Carsten Kantner und Sophie Liebermann, ein Kriminalhauptkommissar und eine Buchhändlerin im Wuppertaler Luisenviertel, hatte es in bisher vier Büchern mit Mordfällen im Bergischen zu tun. Für Krimis hat sich Schwaner schon früh interessiert – und verfasst sie, seitdem sie schreiben kann. „Bereits als Kind habe ich mir gerne Geschichten ausgedacht und mit dem Kassettenrekorder Hörspiele aufgenommen.“ Erst hat sie Kartell-Mitglied Jürgen Kasten bei einer Lesung die Jugendkrimis „Fünf Freunde“ und „Die drei ???“ gelesen, später griff sie zu Agatha Christie. Vor rund 15 Jahren wurde sie dann von ihrem Ehemann motiviert, eine Idee, „die schon lange in meinem Kopf rumspukte“, umzusetzen. Mit Schreiben, Verlagssuche und so weiter dauerte es noch sechs Jahre bis zur Erstveröffentlichung. Inzwischen ist das fünfte Buch über ihr Ermittlerduo in Arbeit.

Kurzkrimis zum Advent

2024 hat das Krimikartell seine erste Anthologie herausgebracht: Die „Bergische Bescherung“ bietet 16 Kurz-Krimis zum Advent. Im April 2026 soll ein zweiter Band mit regionalen Krimis erscheinen. Für dieses Jahr ist außerdem eine weitere Lesung an einem unüblichen Ort geplant. Es geht ins Polizeipräsidium Wuppertal. Inzwischen kann das Bergische Krimikartell auf rund 30 erfolgreiche Veranstaltungen in den vergangenen beiden Jahren zurückblicken. „Wir sind vor allem im Bergischen Städtedreieck mit Remscheid, Solingen und Wuppertal unterwegs gewesen, aber wir möchten gerne auch darüber hinaus gehen“, sagt Michael Itschert – und ergänzt: „Wir sind für alle Schandtaten bereit.“

www.bergisches-krimikartell.de

Stefan Reinelt, Fotos: Bergisches Krimikartell