Von bergischen Alltagshelden

Ehrenamt ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Wir rücken beispielhaft drei Alltagshelden aus dem Bergischen in den Fokus, die mit Leidenschaft ihre Region gestalten und deren unermüdlicher Einsatz für ihr Herzensprojekt Großes bewirkt.

Starkes Ergebnis

Seit 2017 engagiert sich Mirjam Starke aus Remscheid als Botschafterin für den Verein „foodsharing“ und kämpft unermüdlich gegen Lebensmittelverschwendung. Ihr Einsatz geht weit über das Retten von Lebensmitteln hinaus und ist von Herzblut und Überzeugung geprägt. Die 58-Jährige ist fasziniert von der direkten Begegnung mit Menschen aller Alters- und Vermögensklassen. Ob im Gourmet-Restaurant oder beim gemeinsamen Kochen mit Bedürftigen, jede Begegnung bereichert sie. In Remscheid hat ihr Engagement bereits Unglaubliches bewirkt: Seit 2016 wurden über 2,2 Millionen Kilogramm Lebensmittel vor der Tonne bewahrt. Besonders erfreulich ist, dass ein Großteil dieser geretteten Waren sozialen Projekten zugutekommt. Mit mehr als 180 aktiven Foodsavern wurde Remscheid zur ersten offiziellen Foodsharing-Stadt Deutschlands gekürt, die gemeinsam mit der Stadt die Botschaft verbreitet: Weniger Lebensmittel gehören in den Müll. Die tägliche Arbeit im Ehrenamt bringt immer wieder neue Herausforderungen mit sich. Das „foodsharing“-Team ist auf alles vorbereitet, vom Retten ganzer Paletten Nudeln bis hin zu Buffets aus dem Rathaus. „Ich glaube, wir sind für alles gewappnet“, sagt Starke und lacht. Besonders wichtig sind ihr die Gespräche mit den Abholern, bei denen sie Rezepte austauscht und ständig dazulernen kann, sei es vom Großhändler oder von Schülern, die zum ersten Mal Marmelade kochen. „Foodsharing verbindet Arm und Reich, Jung und Alt“, beschreibt sie die vielfältige Gemeinschaft. Ihr außergewöhnlicher Einsatz blieb nicht unbemerkt. Ende 2020 erhielt sie das Privileg, im Schloss Bellevue Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier von ihrer Arbeit zu berichten. „Was für eine Ehre!“, erinnert sie sich. Diese Anerkennung zeigt, welchen großen Unterschied ehrenamtliches Engagement bewirken kann. „Ich engagiere mich weiterhin mit großer Leidenschaft für Foodsharing und bin dankbar für die Erfahrungen, die mir dieses Ehrenamt ermöglicht hat“, fasst Starke ihre Motivation zusammen. Ihre Geschichte ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Menschen mit Herzblut und Tatkraft ganze Städte bewegen und die Wertschätzung unserer Lebensmittel fördern können.

Schmettern gehört zum Handwerk

Christian Hinricher ist nicht nur staatlich anerkannter Erzieher in der Kindertagesstätte „Kleine Holzwürmer“, sondern lebt eine zweite große Passion: den Tischtennis Nachwuchs in seiner Heimatstadt Solingen zu fördern. Ehrenamtlich engagiert sich der 31-Jährige mit vollem persönlichem Einsatz. Seit seinem elften Lebensjahr spielt er selbst dort begeistert Tischtennis und bekleidet mittlerweile einen Vorstandsposten. Der Ball kam damals durch seinen Opa Lothar und später durch die sportlichen Pausen auf dem Schulhof ins Rollen. Sogar ein Lehrer, der Hinrichers frühe Faszination bemerkte, schickte ihn damals zum Verein – ein Weg, den er bis heute nie bereut hat. Von seiner eigenen ambitionierten Spielerkarriere als Amateur trat er bewusst zugunsten der Jugendarbeit zurück. Der Grund liegt in den Nachwuchssorgen, die auch vor dem schnellen Tischtennis nicht haltmachen. Dagegen kämpft Christian nun engagiert an – hier in der Sporthalle in Solingen, wo die Jugendlichen trainieren und ihre Spiele austragen. Tischtennis, so beschreibt es Christian, ist ein Rückschlagspiel mit „sehr hohem Tempo“, das Disziplin, Kondition und Körpergefühl verlangt. Er nennt es „eines der schnellsten der Welt“. Doch gleichzeitig betont er die besondere Zugänglichkeit des Sports, die ihn so ideal für die Jugendarbeit macht. „Jeder kann mitmachen. Jedes Alter, jede Größe, jedes Geschlecht – ein ganz toller Sport!“ Genau diese Inklusivität, die Herausforderung des Spiels, die Faszination für schnelle Ballwechsel und das charakteristische „Schmettern“ – all das gibt er mit Herzblut an junge Solinger Talente weiter. Sein wertvoller ehrenamtlicher Einsatz sichert dem Tischtennis vor Ort ein wichtiges Stück Zukunft. Christian Hinricher lebt seinen Sport nicht nur für sich, sondern vor allem für die nächste Generation in der Klingenstadt.

Leidenschaft wirkt sofort

Lennep ist zwar ihre Heimat, doch Danielle Schmitt blickt gerne über die Stadtgrenzen Remscheids hinaus und zeigt mit ihrem vielfältigen Engagement, wie man die Welt ein kleines bisschen besser machen kann. Neben ihrem Vollzeitjob als Marketingreferentin widmet sie ihre freie Zeit mit beeindruckender Energie dem Ehrenamt. Besonders aktiv ist Danielle im Remscheider Tierheim. Dort verwandelt sie sich an den Wochenenden in eine fleißige „Kuchen-Fee“ und verkauft selbstgebackene Leckereien, um Spenden zu sammeln. Für sie ist das Tierheim ein Ort des Miteinanders für den guten Zweck. „Perfektion ist nicht das Ziel“, sagt die 30-Jährige. „Vielmehr geht es darum, dass die Kuchen mit viel Herz von ehrenamtlichen Helfern gebacken werden.“ Dieser Einsatz bietet eine willkommene Abwechslung zu ihrem Bürojob, bei dem sie keinen direkten Kontakt zu Menschen hat. Doch ihr Engagement geht über Lennep hinaus. Sie unterstützte das Heimwegtelefon – eine wertvolle Hilfe für Menschen auf dem nächtlichen Weg nach Hause. Sie nutzt ferner die Online-Plattform thegoodones.de für soziale Projekte, aktuell mit dem Troxler-Haus. Eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe ist ihre Tätigkeit als Schöffin in Wuppertal, denn diese stellt eine große Herausforderung dar: „Als Schöffin nehme ich neben den Berufsrichtern gleichberechtigt an Strafverfahren teil und trage Verantwortung für Entscheidungen, die unmittelbare Auswirkungen auf das Leben realer Menschen haben.“ Um ihre vielfältigen Aufgaben zu meistern, hält die Lenneperin keinen geheimen Zeit-Trick parat. Stattdessen betont sie die Bedeutung von guter Organisation und Leidenschaft. Da sie sich bewusst für jedes Engagement entschieden hat, fühlt sie sich nie von ihren Verpflichtungen überwältigt. Für Danielle Schmitt bedeutet Ehrenamt, sich sinnvoll einzubringen und das eigene Wissen sowie die eigenen Fähigkeiten weiterzugeben. Ihre wichtigste „Superkraft“ ist Empathie gepaart mit Zuverlässigkeit. Sie kann sich gut in andere hineinversetzen, zuhören und ist verlässlich. Ihr Appell an diejenigen, die zögern: Man müsse nicht perfekt sein, um einen Beitrag zu leisten. Stattdessen solle man sich „einfach trauen, etwas auszuprobieren“ und dann das zu finden, was zu einem passt.

Holger Bernert, Fotos: privat