Der Remscheider Familienbauernhof Kempe wird von den Brüdern Sebastian und Markus Kempe bereits in achter Generation geführt. Im Laufe der Jahre musste sich der Betrieb immer wieder neuen Herausforderungen stellen und umstrukturieren.
Wenn man an die Anfänge der Geschichte des Bauernhofs Kempe in Remscheid-Buchholzen zurückgehen will, dann muss man sich auf einen langen Weg begeben. Denn bereits im Jahr 1824 wurde er gegründet, damals noch als reiner Milchviehbetrieb, der aber sogar über eine eigene Molkerei und eine Milch-Vermarktung verfügte. Knapp 100 Jahre später zeigte sich die große Innovationskraft des Hofs. 1912 wurde er als „Milchwirtschaftlicher Musterbetrieb zur Gewinnung hochwertiger Rohmilch“ ausgezeichnet. Von der Milchwirtschaft ist heute allerdings nichts mehr übrig. Die Remscheider, und nicht nur die, kennen den Bauernhof vor allem für Eier und Geflügel – aber auch für Damwild. Denn neben der Hofwirtschaft ist die Familie Kempe mit ihren Produkten auf sieben Wochenmärkten in der Region zu finden – in Remscheid und in Langenfeld verteilt.
Früher Milch, heute Eier
Geführt wird der Buchholzer Bauernhof heute bereits in der achten Generation von den Brüdern Sebastian und Markus Kempe, die sich die Arbeit – nicht nur sprichwörtlich – brüderlich teilen. „Ich kümmere mich um die kaufmännischen Belange auf dem Hof, während mein Bruder Sebastian Landwirt und Geflügelzuchtmeister mit Leib und Seele ist“, sagt Markus Kempe. Natürlich ist eine so lange Geschichte wie die des Remscheider Familienbetriebs ein echtes Pfund, mit dem sich wuchern lässt. Allerdings muss auch die Familie Kempe weiterhin mit der Zeit gehen. Und die Zeiten ändern sich nicht nur, sie werden auch nicht unbedingt leichter, wie Markus Kempe weiß. „Mit Corona haben wir uns ein bisschen verkleinert. Mein Bruder und ich haben den Betrieb dann 2022 übernommen“, berichtet er. Die Verkleinerung sei indes die richtige Entscheidung gewesen. „Wir haben damals während der Pandemie fast das ganze Personal ausgewechselt, bis auf einen harten Kern, der bei uns geblieben ist. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich in dieser Zeit beruflich umorientiert“, sagt Markus Kempe. Aktuell sei das Team aber sehr gut aufgestellt. 18 festangestellte Mitarbeiter inklusive Aushilfen kümmern sich um den reibungslosen Ablauf im Betrieb. „Wir blicken nach vorne und werden weiter modernisieren. Leider können wir am aktuellen Standort keine Biohaltung umsetzen. Auch würden wir uns gerne vergrößern – dafür fehlt uns allerdings bislang noch ein geeigneter Standort“, sagt er. Auf jeden Fall wolle man aber die Produktion umstrukturieren.


25.000 Legehennen in Bodenhaltung
Wenn er sich das Thema Vergrößerung ansieht, wird Markus Kempe bisweilen ein wenig sentimental. „Die dritte Generation Kempe hat seinerzeit ein wenig aufgeschrieben, wie die Dinge sich verändert haben. Da war dann in den Unterlagen auch die Rede davon, sich zu vergrößern. Allerdings ging es da eben um eine Kuh“, sagt er. Seit Ende der 1960er-Jahre gibt es jedoch gar keine Kühe mehr bei Kempe. „Damals haben wir uns zum reinen Geflügelhof gewandelt“, sagt Markus Kempe. Rund 25.000 Legehennen gibt es inzwischen auf dem Hof, die alle in Bodenhaltung leben. Hans Hermann Kempe, Vater der aktuellen Geschäftsführer, hat in den 1990er-Jahren für ein weiteres Standbein gesorgt – dank eines großen Damwild-Geheges, sodass zum Angebot des Bauernhofs seitdem auch Wildfleisch gehört. Neben der Präsenz auf den Wochenmärkten ist der Hofladen mit seinem großen Angebot ein weiteres wichtiges Standbein für den Bauernhof – ebenso wie ein Verkaufsautomat, an dem zum Beispiel auch Grillfleisch rund um die Uhr gekauft werden kann. Familie Kempes könnte also zufrieden sein, wäre da nicht die Verpackungsindustrie. „Die Lieferzeiten für unsere Eierkartons und Eierschachteln sind aktuell eine einzige Katastrophe, zudem sind die Preise sehr hoch. Das merkt man im Alltag“, erläutert Markus Kempe. Der Blick in die Produktionshalle macht die Dimensionen deutlich: Hier werden tagtäglich rund 20.000 Eier verarbeitet, das heißt gesichtet, gewogen und verpackt. Auf dem Bauernhof Kempe sind eben nicht nur die Mitarbeiter fleißig, sondern auch die Hühner.#
Wolfgang Weitzdörfer, Fotos: Wolfgang Weitzdörfer
