Schloss Burg hat wieder geöffnet – schöner, zugänglicher und zukunftsfähiger als je zuvor. Die Mischung aus historischem Glanz und moderner Besucherfreundlichkeit macht die Burg zu einem Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.
Zwölf Jahre lang gehörten Baustellenzäune, Gerüste und Baumaschinen fast schon selbstverständlich zum Bild von Schloss Burg. Viele Besucher sind in dieser Zeit unzählige Male mit der Seilbahn hinaufgefahren, haben den Blick ins Tal genossen und sich gefragt, wie die größte historische Anlage des Bergischen Landes wohl aussehen wird, wenn hier Ruhe einkehrt. Jetzt ist es so weit: Schloss Burg ist zurück. Und sie ist schöner, offener und lebendiger als je zuvor.
Wer die Stufen durch das Grabentor hinaufgeht, merkt sofort, wie sehr sich dieser Ort verändert hat – nicht im Sinne eines radikalen Neubeginns, sondern durch ein feines Nachjustieren, ein respektvolles Weiterdenken. Die Burg wirkt vertraut wie immer, rau und stolz, aber zugleich heller, wärmer und zugänglicher. Es ist, als hätte das Bergische Land seinem Wahrzeichen einen langverdienten Kuraufenthalt gegönnt. Über ein Jahrzehnt wurde daran gearbeitet, Geschichte und Moderne miteinander zu verbinden und die historische Substanz zu bewahren. „Es wurde immer
in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege gearbeitet“, sagt Philipp Reinsdorf von der Stadt Solingen, der die Sanierungsarbeiten koordiniert hat. Dabei stammt nur ein kleiner Teil der Anlage, die seit dem 12. Jahrhundert
die Stammburg der Grafen und späteren Herzöge von Berg war, tatsächlich aus dem Mittelalter. Schloss Burg ist vielmehr die größte rekonstruierte Burganlage in Nordrhein-Westfalen.


Sorgfältige und barrierefreie Restaurierung
Ermöglichen statt umformen lautet daher das Motto für die gesamte Sanierung. Dank einer neuen ökologischen Heizzentrale wurde ein nachhaltiger Betrieb der Burg ermöglicht. Durch die modernisierte Infrastruktur ist ein sicherer und zukunftsfähiger Museumsstandort geschaffen und durch sorgfältige Restaurierung das Ziel umgesetzt worden, dass viele Details – vom Fenster bis zum Fresko – wieder so wirken wie früher. „Es ist unser Ziel, die touristische Strahlkraft, die Schloss Burg hat, noch stärker zu entwickeln“, sagt Gregor Ahlmann, Geschäftsführer des Schlossbauvereins. Barrierefreiheit war lange Zeit ein Wunsch, der angesichts enger Steintreppen und mittelalterlicher
Wege fast utopisch klang. Heute stehen moderne Aufzüge im Grabentorhaus und im Hauptgebäude bereit, die große Teile der Ausstellung des zentralen Gebäudeteils barrierefrei erschließen. Ausnahmen der Barrierefreiheit stellen lediglich die Wehrgänge und der Bergfried dar. Auch die Freianlagen wurden ebenfalls barrierearm gestaltet. Die Museumsarbeit auf Schloss Burg schlägt ebenfalls ein neues Kapitel auf. Die neue Dauerausstellung im Bergfried soll nicht nur informieren, sondern faszinieren. Mit viel Liebe zum Detail, multimedialen Elementen und einer Prise virtueller Realitätserweiterung macht sie das mittelalterliche Leben im Bergischen Land greifbar.

Neue Impulse für die Region
Museumdirektor Gregor Ahlmann verrät: „Wir wollen die Besucher mitten ins Geschehen holen – so, dass sie das Gefühl haben, die Geschichte hier oben auf dem Berg wirklich zu spüren.“ Wer nach einem Rundgang durch die neuen Räume den Burghof betritt, spürt sofort: Auch wirtschaftlich und kulturell sendet die Burg neue Impulse in die Region. Die Cafés im Umfeld sind wieder voller, der Einzelhandel profitiert, und Vereine, Kunstschaffende und Veranstalter freuen sich über neue, stimmungsvolle Orte für Konzerte, Märkte und Feste. Insbesondere der Rittersaal strahlt mit der unter der Holzvertäfelung konservierten und nun freigelegten Wandbemalung aus den 30er-Jahren eine ganz neue Atmosphäre aus. Im Zuge der Sanierung wurde auch die Sicherheit an neue Standards angepasst. Zu schwache Fundamente wurden verstärkt, eine Deckenabhängung mit zu geringer Statik entfernt und ein zweiter Rettungsweg aus dem Innenhof hinaus geschaffen.
„Die Sanierung kam genau zur richtigen Zeit“ – Philipp Reinsdorf.
Die Arbeiten hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass das Gebäude auch über die nächsten Jahrzehnte erhalten werden kann. Schloss Burg bleibt ein Stück bergische Identität – nur eben deutlich vielseitiger als zuvor. Das Wahrzeichen des Bergischen Landes wird gerne als „gemeinsames Wohnzimmer“ bezeichnet – ein Ort, der verbindet und an dem die heimische Geschichte erlebbar ist. Genau dieses Gefühl schwingt mit, wenn man heute über die neuen Wege geht: das Gefühl, dass hier ein Ort entstanden ist, der tief in der Region verwurzelt ist und gleichzeitig weit in die Zukunft blickt. So startet Schloss Burg in eine neue Ära – als lebendiger Treffpunkt, kulturelles Zentrum, Symbol bergischer Geschichte und bergischen Selbstbewusstseins. Für alle, die hier leben, und für alle, die diesen Ort besuchen. Ein Stück Heimat, das wir neu entdecken dürfen.

Heike Karsten, Fotos: Christian Beier, Michael Strahlen, Thomas E. Wunsch
Schlossbesuch
Öffnungszeiten:
Zwischen Dezember und März ist Schloss Burg von Dienstag bis Freitag zwischen 10 bis 16 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen (ausgenommen 24., und 31. Dezember) von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
Eintritt:
Erwachsene zahlen 10 Euro, Kinder bis 15 Jahre 5 Euro Eintritt.
Zudem gibt es ermäßigte Preis für Kleingruppen und Familien (26 Euro), Behinderte und Schüler ab 16 Jahre (7,50 Euro), Erwachsengruppe (9 Euro pro Person) sowie Schülergruppen und Schüler in einem Projekt (3 Euro pro Person).
www.schlossburg.de
