Rund 300 Privatgärten im Bergischen Land öffnen in den kommenden Wochen ihre Pforten. Was entstehen kann, wenn Menschen jahrzehntelang für sich selbst gärtnern, ohne jemals einen Architekten oder Landschaftsgärtner beauftragt zu haben, ist ab Anfang Juni zu sehen.
Was diese Touren von jedem Gartenführer unterscheidet: Man redet hier mit den Menschen, die den Boden selbst umgraben. Kein Schild, kein Audioguide, nur jemand, der zeigt, was nach 20 Jahren geduldiger Arbeit entsteht.
Knapp verpasst
Die Haaner GartenLust kam in diesem Jahr früher als erwartet – und das mit einem neuen Gesicht. Am ersten Juni-Wochenende öffnete sie erstmals auf dem Gelände der Gartenbaumschule Selders in der Gartenstadt. Zwei Tage Markt mit rund 50 regionalen Ausstellern aus NRW, dazu der gewohnte Offene-Garten-Tag am 6. Juni mit Privatgärten im Stadtgebiet. Verloren ist deshalb nichts. Die privaten Gärten entlang des „neanderland STEIG“ lohnen sich auch ohne Aktionswochenende. Der Haaner Park Ville d’Eu lädt das ganze Jahr zum Spaziergang ein.
www.haaner-gartenlust.de

Offene Gartenpforte
Gleich danach kommt das, worauf die Region wartet. Die Offene Gartenpforte Rheinland – getragen vom gemeinnützigen Verein Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas. Rund 300 teilnehmende Gärten öffnen am 13. und 14. Juni, am 11. und 12. Juli sowie am 5. und 6. September gleichzeitig in Solingen, Remscheid, Burscheid und dem gesamten Rheinisch-Bergischen Kreis ihre Gartenpforten. Von 11 bis 17 Uhr, Eintritt kostenfrei oder eine freiwillige Spende an der Pforte. Gelbe Fahnen an den Einfahrten weisen den Weg. Hunde sind in einigen Gärten angeleint geduldet, in anderen gilt Hundeverbot, denn Privatgrundstücke verlangen Rücksicht.
www.offene-gartenpforterheinland.de
Aktionswochenenden
Der Garten von Thorsten Ulbrich und Marcus Vogel am Bertramsmühlerweg 25 in Solingen ist immer einen Besuch wert. Was als Gärtnerei begann, zieht an Aktionswochenenden Staudenliebhaber aus der ganzen Region an – Menschen, die Ableger tauschen, nach Raritäten fragen, über Klimaresistenz und Schattenpflanzen reden. Kein Schaugarten, sondern ein Arbeitsgarten: Jede Pflanze steht mit Absicht dort, wo sie steht. Wer die Rosen auf ihrem Junihöhepunkt erleben will, kommt genau jetzt. Außerhalb der Aktionstermine öffnet der Garten dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und samstags bis 13 Uhr. www.garten-ulbrich.de


Bergische Sonntage
Wer die Stille der bergischen Hügel bevorzugt, wählt die Bergische Gartentour. Das Format läuft nicht auf Wochenendbasis, sondern an einzelnen Sonntagen – und genau das gibt ihm seinen ganz besonderen Charakter. Am 14., 21. und 28. Juni sowie am 20. September öffnen handverlesene Privatgärten zwischen Wermelskirchen, Hückeswagen und Radevormwald für die Öffentlichkeit. Die Topografie schreibt in vielen dieser Gärten die Grundstruktur vor: Hanglagen, Stützmauern, Treppenbeete. Und mittendrin Gartenbesitzer, die erklären, warum sie angefangen haben, Gemüse neben die Rosen zu setzen, und was der Trockensommer an Lehrgeld kostete. Wermelskirchen liegt auf über 300 Metern, der Wind kommt ungehindert, der Boden ist lehmig und launisch. In Hückeswagen und Radevormwald sieht man Gärten, die den Übergang zwischen gepflegtem Beet und bergischer Kulturlandschaft fließend halten: Apfelbäume an der Grundstücksgrenze, Hochbeete aus recycelten Bahnschwellen. Viele Gastgeber bieten Kaffee und Kuchen an. Mancher Garten nimmt einen kleinen Beitrag, der an den NABU geht. www.bergische-gartentour.de
Holger Bernert, Fotos: Garten Ulbrich, NaturGarten e.V., Christian Beier,
