Bei Allergien frühzeitig fachlichen Rat einholen

Mit dem Beginn des Frühjahrs nimmt die Zahl allergischer Beschwerden deutlich zu – besonders häufig sind Reaktionen auf Pollen. Wer unter Symptomen wie Schnupfen, juckender Nase, tränenden oder geschwollenen Augen leidet, sollte ärztlichen Rat einholen oder sich in der Apotheke zu geeigneten Behandlungsmöglichkeiten beraten lassen.

Apotheker Henning Denkler, Inhaber der RegenbogenApotheke im Kaufland an der Presover Straße in Remscheid, erlebt es jedes Jahr in der Praxis. „Viele Menschen kommen in dieser Zeit mit typischen Allergiesymptomen zu uns“, sagt er. Auch aus eigener Erfahrung kennt er die Belastung: Allergien seien zwar meist nicht gefährlich, könnten aber den Alltag erheblich beeinträchtigen und in stärkeren Ausprägungen sogar einer Erkältung ähneln. Eine Allergie ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Stoffe – häufig Pollen. Aber auch andere Auslöser kommen infrage. Denkler verweist darauf, dass es unterschiedliche Formen allergischer Reaktionen gibt, etwa:
• Allergien nach Aufnahme eines Stoffes (über Nahrung oder andere Wege)
• Kontaktallergien (Hautreaktionen durch Metalle an Knöpfen oder Schmuck)
• Arzneimittelallergien (etwa gegen bestimmte Antibiotika) • inhalative Allergien (gegen Hausstaub). Allergien können zudem im Laufe des Lebens neu auftreten – und manchmal auch wieder verschwinden. Bei einer allergischen Reaktion setzt der Körper Botenstoffe frei, insbesondere Histamin. Dieses ist maßgeblich für Symptome wie Schwellungen, Rötungen, Juckreiz oder Quaddeln verantwortlich.

Behandlung: Antihistaminika – aber mit Beratung

Ein zentraler Baustein der Behandlung sind Antihistaminika. Diese Medikamente können die Wirkung von Histamin im Körper abschwächen und dadurch Beschwerden lindern. Einige Präparate sind frei verkäuflich, andere verschreibungspflichtig. Denkler empfiehlt, die Auswahl nicht dem Zufall zu überlassen: Viele Antihistaminika können müde machen, weil sie auf das zentrale Nervensystem wirken. Zwar sind neuere Wirkstoffe häufig besser verträglich, dennoch sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich. Wer bereits Arzneimittel einnimmt – etwa bei psychischen Erkrankungen oder anderen chronischen Leiden – sollte daher unbedingt Rücksprache mit Arzt oder Apotheker halten.

Was Betroffene im Alltag tun können

Neben Medikamenten ist vor allem das Meiden der Auslöser hilfreich – auch wenn das bei Pollen nicht immer leicht ist. Praktische Maßnahmen können sein: abends Haare waschen, um Pollen zu entfernen, Kleidung nicht im Schlafzimmer wechseln beziehungsweise lagern, bei starker Belastung im Freien gegebenenfalls Maske tragen, Pollenbelastung beispielsweise per Pollenflugvorhersage im Blickbehalten. Eine mögliche längerfristige Therapie ist die Hyposensibilisierung (Desensibilisierung). Sie ist zeitaufwendig und wirkt nicht bei allen Betroffenen, kann aber je nach Allergieform eine deutliche Verbesserung bringen. Ob sie sinnvoll ist, sollte individuell ärztlich abgeklärt werden. Dass Allergien heute häufiger diagnostiziert werden als früher, kann verschiedene Gründe haben – unter anderem eine insgesamt verbesserte Diagnostik und veränderte Umwelt- und Lebensbedingungen.

Wolfgang Weitzdörfer, Foto: Wolfgang Weitzdörfer