Drei Räder und viel Seele

Der Motor ist Italienisch, das Fahrwerk englisch und der Fahrer ein Emminghäuser: Rob Rickell fährt einen Threewheeler. „Wir haben ein Rad hab‘“, sagt er grinsend, wenn er von seinem Hobby erzählt – und das meint er wörtlich.

Manchmal erinnert er sich noch an jene Tage, wenn er in seiner englischen Heimat am Straßenrand stand und als Kind den alten Morgans hinterher winkte. Es war eine kleine Seltenheit, wenn die Threewheller aus den 1930er Jahren stolz über die schmalen Straßen fuhren. Rob Rickell hatte dann dieses selige Lachen auf dem Gesicht. „Ich war schon immer fasziniert von diesen Dreirädern“, sagt er. Heute winken ihm gelegentlich die Menschen am Straßenrand zu, wenn er mit seinem roten Triking durch das Bergische fährt. „Wenn wir irgendwo parken, dann haben die Menschen viele Fragen, wir werden oft angesprochen“, erzählt Rob Rickell. Deswegen haben viele der Triking-Fahrer ein Infoblatt zur Hand, das sie hinter die Windschutzscheibe legen, wenn sie irgendwo parken. Das selige Lachen übrigens ist Rob Rickell geblieben – er hat nur die Perspektive gewechselt und sitzt heute selbst am Steuer.

Daran ist Paul Williams nicht ganz unschuldig. Der gebürtige Brite kaufte sein eigenes grünes Trikingmodell schon vor Jahrzehnten. „Damals tat sich eine Chance auf und ich griff zu“, erzählt er – mit dem gleichen charmanten Dialekt, der ihn mit Rob Rickell verbindet. Ohnehin haben die Männer viel gemeinsam, vorneweg die Liebe zu den besonderen Autos. Bevor Rob Rickell vor sechs Jahren endlich in seinem eigenen Threewheeler saß, hatte er Karriere in der Autoindustrie gemacht. „Da hatte ich einfach keine Zeit für so ein schönes Auto“, erzählt er. Aber mit dem Ruhestand sah er sich im Internet nach Gleichgesinnten um, die ein Herz für die alten britischen Autos haben. Und er fand Paul Williams und die Community der Threewheeler. Dann geschah ein kleines Wunder: Rob Rickell fand ein Triking, das zum Verkauf stand. „Die sind so selten, dass man wirklich großes Glück haben muss“, sagt er. Die Chance ließ er nicht verstreichen und mit 62 saß er zum ersten Mal hinter dem Steuer. Heute können sich die beiden Männer gar nicht mehr vorstellen, auf die Touren mit den besonderen Fahrzeugen zu verzichten.

Als Rob Rickell den Motor anwirft, brummt ein robuster Klang durch Emminghausen unweit von Wermelskirchen. „Das Fahrzeug klingt wie ein Motorrad“, sagt er und genießt kurz den Klang. Wer damals im England der 1930er Jahre einen der ersten Morgans fahren wollte, brauchte auch nur einen Motorradführerschein – konnte aber den Luxus eines kleinen Autos genießen. „Das Fahrzeug ist eine Art Hybrid zwischen Motorrad und Auto“, sagt Williams. Fahrer brauchen keinen Helm, haben einen Anschnallgurt und das Freilufterlebnis. „Und man hat einen Rundumblick“, erzählt Rickell. Gleichzeitig fahren sie ein spannendes Kapitel Motorengeschichte spazieren: Ende der 1970er Jahre startete der Engländer Tony Divey mit der Produktion eines eigenen Dreirads. Eines dieser ersten Fahrzeuge fährt heute Rob Rickell. „Tony Divey setzte auf moderne Technik, erhielt aber den Charme der Fahrzeuge aus den 30er Jahren“, erzählt Paul Williams.

Wer die beiden Männer nach ihrer Leidenschaft für das Auto mit drei Rädern fragt, der blickt in strahlende Gesichter. „Sie sind klein und wendig, minimalistisch, einfach anders“, sagt Williams. Es mache großen Spaß, die Autos zu fahren. Sie seien schnell und leicht, haben zwischen 80 und 100 Pferdstärken und wiegen nur rund 400 Kilogramm. „Deswegen liegt es in den Kurven wie ein Motorrad“, beschreibt Rickell. Bei der Fahrt können sie den Zylinderköpfen und den Stoßdämpfern bei ihrer Arbeit zusehen. „Es ist nichts Überflüssiges an diesem Auto‘“, sagt Williams. Die beiden Männer lachen sich gut gelaunt an: „Es gibt aber auch keinen praktischen Grund, diese Autos zu fahren, wir haben eben ein Rad ab.“

Um es in Schuss zu halten, verbringen die beiden Männer viel Zeit mit ihren Fahrzeugen. „Man muss schon Lust am Schrauben haben“, sagt Rob Rickell. Dafür belohnen einen die Fahrzeuge aber mit unvergleichlichen Ausfahrten: Im Sommer 2022 luden Rob Rickell und Paul Williams die befreundeten Fahrer der Community zum großen Treffen ins Bergische Land ein. „Im vergangenen Jahr waren wir dann in Schottland“, erzählt Rob Rickell. Schließlich leben auch heute noch viele der Triking-Fans auf der Insel. „Das war ein richtiges Abenteuer“, sagt Rickell und erzählt von der Fährfahrt der vielen kleinen Fahrzeuge. „Wir waren nicht zu übersehen“, sagt er und lacht. In diesem Jahr trifft sich die Community in Holland, nächstes Jahr steht Süddeutschland auf der Reiseliste. Eins ist sicher: Dann werden wieder Menschen am Straßenrand stehen, den Fahrzeugen hinterherblicken – und dabei wird sich dieses besondere Lächeln auf ihre Gesichter stehlen.

Theresa Demski
Fotos: Theresa Demski