Ganz nah dran an der WM

RTL-Reporter Felix Görner gehört zu den bekanntesten Gesichtern der Sportberichterstattung im TV und hat seine journalistischen Wurzeln in Remscheid. In Kürze reist der gebürtige Wuppertaler zur Fußball-WM nach Amerika. Der deutschen Mannschaft traut der Insider den ganz großen Coup nicht zu und hat auch schon eine Prognose parat, wer danach Bundestrainer wird.

Was hat der Wuppertaler SV gemacht? Wie hat der FC Remscheid gespielt? „Ein Teil meines Herzens bleibt für immer bergisch“, sagt Felix Görner. Damit meint der leitende RTL-Sportreporter nicht alleine die Fußball-Clubs der Region, nach deren Ergebnissen er sich am Wochenende immer eilig erkundigt. Er ist Wuppertaler, geboren in Elberfeld. Sein Volontariat hat er Anfang der 1990er-Jahre beim Remscheider General-Anzeiger (RGA) gemacht. Inzwischen lebt der 59-Jährige seit vielen Jahren mit seiner Familie in Brauweiler. „Das ist die Wirtz-City“, wie er den Stadtteil von Pulheim im Rhein-Erft-Kreis nennt. Dort hat(te) Nationalspieler Florian Wirtz sein Zuhause, ehe er von Bayer Leverkusen zum FC Liverpool wechselte. Die Eltern leben weiterhin dort. „Drei Straßen von mir entfernt“, ist Felix Görner bestens informiert. Seit 1995 ist Görner bei RTL fest angestellt, pflegt dort sein Netzwerk. Sein Gesicht ist regelmäßig auf dem Bildschirm zu sehen. Als Reporter, der die deutsche Fußball-Nationalmannschaft begleitet, ganz nah am Geschehen ist (zur Familie des 2013 schwer verünglückten siebenfachen Weltmeisters Michael Schumacher pflegt er einen sehr guten Kontakt) und als Boxexperte. Als wir ihn treffen, bereitet sich der Ehemann – mit seiner Ehefrau Heidi hat er eine Tochter und einen Sohn – auf die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko vor, die am 11. Juni beginnt.

Argentinien und Frankreich sind Görners Favoriten

Gemeinsam mit seinem Kollegen Jonas Gerdes begleitet er die deutschen Spieler. Obwohl er vor vier Jahren auch schon bei der WM in Katar war, fiebert er dem Ereignis entgegen: „Am 5. Juni geht es für mich ab nach Amerika. Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist für mich nach wie vor ein berufliches Highlight. Darauf freue ich mich. North Carolina wird für mich eine zeitlang meine zweite Heimat“, berichtet Görner. In den Nachrichtensendungen von RTL und NTV kann man Görner regelmäßig erleben. Die Zuschauer werden mit den aktuellsten Infos versorgt, direkt aus dem deutschen Lager. „Wir müssen kritische Einschätzungen abgeben“, macht Görner deutlich. Momente des Füßehochlegens sind nicht angesagt. Der promovierte Sportjournalist, der seit 1995 den Doktortitel trägt (Dissertationsthema: Vom Außenseiter zum Aufsteiger) und zuvor erfolgreich sein DiplomSport-Studium an der Sporthochschule in Köln abgeschlossen hat, sagt: „Wir leben im 24/7-Zeitalter. Die digitalen Kanäle lassen einem keine Ruhe mehr.“ Er wird viele Nachtschichten einlegen müssen und häufig im Morgenmagazin zugeschaltet werden. Glaubt Felix Görner an die deutsche Mannschaft, und traut er ihr den Titel zu? „Nein“, sagt er. „Meine Favoriten heißen Argentinien und Frankreich.“ Was er auch gleich begründet: „Die Südamerikaner mit ihrer Verteidigungsmentalität und dem unfassbaren Mannschaftsgeist sehe ich vorne. Auch wegen der klimatischen Bedingungen.“ Am gefährlichsten könnten ihnen die Franzosen werden: „Die haben im Prinzip zwei A-Mannschaften im Kader. Und Michael Olise wird bei der WM durch die Decke gehen.“ Was fehlt den Deutschen, um ganz oben anzuklopfen? „Wir haben leider nicht auf allen Positionen Weltklasse-Niveau“, findet Görner. „Das kann man nur über den Teamgeist kompensieren. Bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften in Russland und Katar ist das nicht gelungen.“ Dort ist man jeweils in der Vorrunde ausgeschieden.

Das sollte nach Görners Einschätzung diesmal nicht passieren. Er sagt: „Curacao wird als Gegner kein Thema sein. So sollte das Erreichen der K.-o.-Phase bei der auf 48 Teams aufgeblähten WM sicher sein. Das kennt die Generation Kimmich noch gar nicht.“ Als Hauptproblem der deutschen Mannschaft sieht er die Verteidigung des eigenen Tores: „Die Fähigkeit, zu Null zu spielen, ist uns im Laufe der Jahre abhandengekommen.“ Unabhängig vom Abschneiden bei diesem Großereignis glaubt er danach an eine Veränderung auf der Position des Cheftrainers: „Das geht dann von Julian Nagelsmann aus. Er ist aus meiner Sicht ein besserer Vereinstrainer, der die tägliche Arbeit mit der Mannschaft braucht.“ Und wer könnte auf ihn folgen? „Jürgen Klopp steht bereit. Die Arbeit als Bundestrainer fehlt ihm noch in seiner fußballerischen Vita.“ Felix Görner bereitet sich akribisch auf die Arbeit bei der WM vor und fragt sich: „Ich bin gespannt, ob diesmal die Sportpolitik aus allem herausgehalten wird?“ Das war gerade in Katar nicht gelungen. Bereits in Erfahrung gebracht hat der gebürtige Wuppertaler, dass US-Präsident Donald Trump am Tag der Partie Deutschland gegen Curacao (14. Juni) seinen 80. Geburtstag feiert. Man darf gespannt sein, was es dann für Überraschungen gibt.

Nie etwas geschenkt bekommen

Görner wird vorbereitet sein. Wie immer in seinem journalistischen Leben. „Mir ist beruflich nie etwas geschenkt worden“, blickt er zurück. Wenn er heute in Journalistenschulen referiert, thematisiert er gerne die Anfänge seines Wirkens: „Du lernst dein Handwerk am besten im lokalen Sport. Die Nähe zu den Protagonisten hast du sonst nirgendwo so intensiv.“ Zu seinen Maximen gehören: „Sei gründlich, sei glaubwürdig.“ So hat er es beim RGA erfahren: „Ich habe nie wieder eine solche Vielfalt an Sportarten bearbeiten dürfen.“ Unter anderem hat er als freier Mitarbeiter eine Reportage über das Fallschirmspringen geschrieben und sich mutig in Begleitung aus schwindelerregenden Höhen in die Tiefe gestürzt. …und Michael Schumacher 2008 Für all das sei er dankbar und habe sich immer mal wieder vorgenommen, am früheren Medienhaus am Friedrich-EbertPlatz vorbeizufahren, um in Erinnerungen zu schwelgen. Wie auch in Hasten, wo er in einer Studenten-WG gewohnt hat. Vielleicht schafft er es ja, wenn er seine längst verstorbenen Eltern beim nächsten Mal in Wuppertal-Vohwinkel aus dem Friedhof besucht: „Da fahre ich alle vier Wochen hin.“ Jetzt sind die Augen erst einmal auf die Fußball-WM gerichtet. Vielleicht ja mit den Worten des früheren RGA-Verlegers Dr. Wolfgang Pütz im Hinterkopf. Der hatte zu Görner beim Volontärs-Einstellungsgespräch gesagt: „Nutzen Sie diese Chance, machen Sie etwas draus.“ Dr. Felix Görner hat das befolgt. Und wie.

Andreas Dach, Foto: Andreas Dach