Im Bergischen Land sind zahlreiche Ehrenamts-Initiativen im Einsatz: So hat sich in Remscheid nach dem Hochwasser die Fluthilfe gegründet, und in Solingen-Ohligs setzt sich der OLX35 für mehr Aufenthaltsqualität in seinem Viertel ein.
Manchmal ist Horst Kläuser auch heute noch sprachlos, wenn er an den Sommer 2021 denkt. Das hängt mit den Erinnerungen an die Überflutungen und den Kummer der Menschen in seiner Heimat zusammen – aber vor allem mit der riesigen Hilfsbereitschaft, die sich anschließend in Remscheid gezeigt hat. „Damals schauten erst mal alle auf das Ahrtal“, erinnert sich der Journalist. „Wir dachten dann: Wir müssen auch die Täler hier Horst Kläuser (r.) ist noch heute überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft, wie hier zugunsten des Steffenshammer in Remscheid. bei uns in und um Remscheid in den Blick nehmen.“ Und bei dem Gedanken blieb es nicht: Gemeinsam mit Maximilian Süss, Thomas E. Wunsch und Stephanie Hoffmann setzte er sich schon wenige Stunden nach dem Hochwasser, das in den Tälern des Bergischen Landes viel zerstört hatte, zusammen. „Uns war schnell klar: Wir wollten Geld sammeln. Und wir mussten dafür sorgen, dass dieses Geld auch bei den Betroffenen ankommt.“
550.000 Euro in zwei Monaten
Innerhalb kürzester Zeit gründeten sie die Remscheider Fluthilfe und schufen Strukturen, die effektive Hilfe möglich machten: Es fand sich ein Kreis engagierter „Bekieker“, die zu den Menschen nach Beyenburg, in der Kohlfuhrt, ins Eschbachtal, ins Morsbachtal und auch nach Dahlerau gingen, zuhörten und dokumentierten. Wer braucht welche Unterstützung? Wo hat das Wasser wie viel Zerstörung hinterlassen? Gleichzeitig nutzten die drei Initiatoren ihre Bekanntheit, um Spenden zu sammeln. „Ich habe das immer auch als eine Verantwortung empfunden“, sagt Horst Kläuser, „wenn man kann, dann sollte man auch“. Und die Remscheider Fluthilfe konnte. Innerhalb von zwei Monaten kamen rund 550.000 Euro in den Spendentopf – dank großer Hilfe des damaligen Bürgermeisters und der Stadt, der Unterstützung aus dem Handwerk, von der Sparkasse, von der Feuerwehr und vielen Remscheider Unternehmen, den Service-Clubs und Privatleuten, die helfen wollten. „Die Remscheider hatten das Gefühl: Das ist unser Eschbach, unser Morsbach, unser Hammerlochtal. Das ist unser Zuhause, direkt vor der Haustür. Und wir möchten helfen“, fasst Horst Kläuser zusammen. Inzwischen steht fest: Rund 80 Betroffenen konnte die Remscheider Fluthilfe mit der großen Aktion im Sommer 2021 und danach helfen. „Eine der letzten Spenden haben wir im vergangenen Herbst übergeben“, erinnert sich der Remscheider. Mit 25.000 Euro hat die Remscheider Fluthilfe ein neues, hochwertiges Spielgerät für die neue Kindertagesstätte in Unterburg finanziert – gebaut in Remscheid. Eine kleine Burg zum Spielen in Sichtweite der großen Burg. Einzelne Projekte warten indes noch auf ihren Abschluss, manches braucht Zeit. „Ich bin bis heute unglaublich berührt und dankbar“, sagt Horst Kläuser und denkt dabei vor allem an die große Hilfsbereitschaft, die er erlebt hat.


Für Lebensraum in Ohligs
Rund 16 Kilometer weiter westlich sind ebenfalls Ehrenamtliche im Einsatz, die sich für ihre Heimat einsetzen. In Solingen-Ohligs bemüht sich die Gruppe „OLX35“ seit 2020 um Lebensraum für die Menschen im Stadtteil. „Unser Motto: Groß denken, lokal handeln“, erklärt Herbert Kremer von der Initiative. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen Visionen von einem Stadtteil, der weniger den Autos als den Menschen gehört. „Die Jahreszahl 35 im Namen unserer Initiative markiert unser Ziel“, erklärt Kremer – und hofft, dass in den nächsten zehn Jahren viel Bewegung in Ohligs spürbar wird. „Wir machen das, weil wir uns mehr Raum zum Zusammensein wünschen“, erklärt er, „Orte, an denen sich Menschen treffen können.“ Die Ehrenamtlichen bringen nun konkrete Ideen ein und verstehen sich als Akteure, um Dinge für Ohligs anzustoßen. Es gab bereits drei „Parking Days“, an denen die Parkplätze im Stadtteil zu einem Ort der Begegnung wurden. „Wir haben dort Tische aufgestellt und Kaffee getrunken“, erinnert Kremer. Mit einem 3-D-Modell machte die Initiative auf das Potenzial des Gebietes an der Hansastraße aufmerksam. Dort würden zu viele Flächen nicht genutzt, beklagen die Ehrenamtlichen. Und auch der Zugang von Ohligs Ost zur Fußgängerzone über eine Rampe bleibt ein Thema, für das die Initiative kämpft.
Transparenz und Bürgernähe
„OLX35“ setzt auf ein starkes Netzwerk. Es gibt Kooperationen mit anderen Akteuren im Viertel sowie mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Und auch die Bürger lassen sich für die Ideen der Ehrenamtlichen begeistern. Filmvorführungen in der Cobra, bei denen die Gruppe „OLX35“ einen selbst produzierten Film mit ihren Visionen zur nachhaltigen Stadtentwicklung zeigte, waren jeweils mit deutlich mehr als 100 Teilnehmern gut besucht. Die Veranstaltungen wurden von Podiumsdiskussionen flankiert – um Meinungen auszutauschen, neue Einfälle zu hören und für die Idee zu begeistern. Denn die Initiative setzt auf Transparenz und Bürgernähe. Zu oft hätten die Menschen das Gefühl, dass an ihnen vorbeigedacht und vorbeigeplant werde, sagt Herbert Kremer. „OLX35“ will diesem Gefühl etwas entgegensetzen und lädt deswegen auch ausdrücklich zum Mitmachen ein: Jeden ersten Montag im Monat treffen sich die Ehrenamtlichen um 19 Uhr im Atelier „Farbraum“ an der Sauerbreystraße 39. Wer Ohligs mitentwickeln möchte, ist dann herzlich willkommen, Infos gibt es unter www.OLX35.de. Der Verein weiß indes, dass es im Bereich Stadtplanung und Quartiersentwicklung dicke Bretter zu bohren gibt: „Wir hören oft von der Politik: Dafür haben wir kein Geld“, sagt Herbert Kremer, „aber damit lassen wir uns nicht abspeisen, wir bleiben dran und machen weiter.“
Theresa Demski, Fotos: Roland Keusch, Christian Beier & Peter Meuter
