Wenn aus Begeisterung Geschäfte werden

Wenn Jörg Michels für etwas brennt, dann gibt er alles: Das war damals so, als er mit den großen Stars der 1990er-Jahre als DJ durch Europa tourte. Und das ist so geblieben – auch als erfolgreicher Geschäftsmann der „Hochzeitsstraße“ in Wermelskirchen.

Wer zum ersten Mal im Laden von Dina und Jörg Michels steht, der kann fast nicht anders, als auf die Tätowierung zu schauen. „Bridemaker“ hat sich der Wermelskirchener Geschäftsmann in großen Buchstaben in sein „Hochzeitsstraße“-Erfinder Jörg Michels in seinem Wermelskirchener Modegeschäft „Sweetex“ Gesicht tätowieren lassen. „Am Anfang haben die Leute immer gefragt, ob das echt ist“, erzählt der 62-Jährige, „das hat mich wirklich überrascht“. Dann hat er sich einen zweiten Schriftzug auf den Hals tätowieren lassen: Courage. Seitdem fragt keiner mehr. Und gleichzeitig ist auch fast alles gesagt. Denn die beiden Tattoos erzählen viel über Jörg Michels und seine Lebensphilosophie. „Es war mitten in der Corona- Pandemie“, erinnert sich der Geschäftsmann, „und ich sah hier meine Felle davonschwimmen“.
Die Geschäfte waren im Lockdown, die Hochzeitsbranche war am Boden. 870.000 Euro kostete ihn die Pandemie. „Und dann dachte ich: Du musst unverwechselbar werden. Und du brauchst Aufmerksamkeit, um zu überleben“, berichtet Jörg Michels. Er rief einen Fernsehsender an, ließ sich die Marke „Bridemaker“ sichern und fuhr in ein Tattoo-Studio nach Köln. „Heute ist diese Tätowierung für mich wie eine Narbe aus einem Kampf, wie eine Auszeichnung“, sagt er, „ich habe überlebt. Ich habe es geschafft.“

Jörg Michels ist auch bei Social Media sehr präsent. Seine außergewöhnliche Tätowierung machte ihn schnell über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Als „Captain Chaos“ machte er sich als DJ einen Namen

Wer mit Jörg Michels ins Gespräch kommt, der versteht die große Empörung nicht, die sich im Netz anschließend breit machte. Denn der Wermelskirchener „Bridemaker“ blieb sich im Grunde vor allem treu, als er sich für den Schriftzug entschied. Noch während seiner Lehre zum Konditor hatte er seine spätere Frau Dina kennengelernt. Die beiden heckten gemeinsam einen Plan aus: Sie würde weiter als Konditormeisterin arbeiten und er würde eine Möglichkeit finden, viel Geld zu verdienen, damit sie später gemeinsam ein Café eröffnen könnten. Der Plan ging auf: Erst trug er die Koffer für berühmte DJs, dann machte sich Jörg Michels selbst europaweit als DJ „Captain Chaos“ einen Namen – erst in der Techno- und House-Szene, dann in der Schlager- Szene. Mickie Krause, Jürgen Drews: Hinter der Bühne traf er die Stars. Er moderierte auf den großen Bühnen Modenschauen, schaute den Marketing-Experten über die Schulter. „Und ich habe wirklich gut verdient“, erzählt er. Unter der Woche arbeitete er im Außendienst einer Firma für Lichttechnik. „Mit 40 war Schluss auf der Bühne“, sagt er, „ich wollte im besten Moment aussteigen.“ Zwei Jahre zuvor hatte er seine Zukunft bereits angelegt. Die Idee vom Café war vom Tisch. Die ganz großen Bühnen hatten Jörg Michels verändert – und für Mode begeistert. „Ich bin tief überzeugt: Nahezu jeder Mensch kann entscheiden, was er tut und Dinge ausprobieren“, sagt er. Mit der Gründung seines Unternehmens „Sweetex“ in seiner Geburtsstadt Bochum stieg er in die Modebranche ein. Er startete mit elf Boutiquen zwischen dem Ruhrpott und dem Bergischen Land. Aber statt des Rumgetingels zwischen seinen Geschäften, entschied er sich 2005 für ein neues Projekt in Wermelskirchen: In den Ladenräumen an der Carl-Leverkus-Straße verkaufte er Damen- und Herrenmode und schmiedete Pläne.

Immer neue Ideen rund ums Heiraten

„Ich wollte etwas Großes daraus machen“, sagt er. Ehefrau Dina war da längst auch geschäftlich an seiner Seite. Die „Hochzeitsstraße“ entstand – erst die Anzüge für die Herren, dann das Brautstudio für die Damen, auch in großen Größen und für Frauenhochzeiten, zudem Accessoires, dann der Ringkönig für die Eheringe, auch mal Papeterie, Outlet- Kleider und immer wieder Deko. „Meine Frau und ich waren einfach immer schon fleißige Leute. Wir lernen dazu, probieren was aus und wenn es nicht klappt, dann ändern wir die Dinge“, sagt er. Nicht alle Pläne gingen auf. Aber das Geschäft wuchs und wuchs, erlangte über Fernsehsendungen immer größere Berühmtheit und machte sich bei Brautpaaren weit über die Region hinaus einen Namen. „Dann kam Corona“, sagt Michels. Aber daran erinnert inzwischen nicht mehr viel. Neue Projekte haben ihren Raum gefunden. Er hat „Bridemakers Tankstelle“ eingerichtet – einen Concept-Store mit hochwertigen Spirituosen. Und im Winter wird er sein Geschäft an der Carl-Leverkus- Straße zum zweiten Mal in eine „Winterwunderwelt“ verwandeln. Bereits ab 1. Oktober übernehmen Tannenbäume, Rentiere, LED-Lichter, der winterliche Tischgrill, Gebäck, Printen und Bratapfellikör das Kommando im Geschäft. „Ich bin so froh, dass die Ideen immer noch sprudeln“, sagt er – und freut sich schon auf die besonderen Wochen auf dem Weg Richtung Weihnachten.


Theresa Demski, Fotos: Theresa Demski,