Nach Jahrzehnten als Naturfotograf und Kameramann nutzt der Radevormwalder Ralf Steinberg seinen Ruhestand für das, was ihn seit Jugendtagen antreibt: den Schutz von Eulen, Bibern und anderen heimischen Arten.
Viele Jahre lang war Ralf Steinberg als Naturfotograf und Kameramann unterwegs – für große Dokumentarfilmproduktionen, oft auf mehreren Kontinenten, immer dicht dran an Tieren, Landschaften und besonderen Momenten. Seit diesem Jahr ist er im Ruhestand, und sein Alltag hat sich verändert. „Ich habe viele Ideen rund um den Naturschutz“, betont der Rade- Fotos: Andreas Dach Seit seinem Ruhestand setzt sich Ralf Steinberg noch mehr für die Natur ein. vormwalder. „Und jetzt endlich noch mehr Zeit dafür.“ Einer seiner Schwerpunkte: der Schutz der Eulen – seit drei Jahrzehnten. Am 11. Februar 1996 wurde die „S.C.R.O – Gesellschaft zum Schutz und zur Erforschung von Eulen – Sektion Deutschland e. V.“ gegründet, und Ralf Steinberg gehörte von Beginn an zu den treibenden Kräften. Seitdem unterstützt der Verein weltweit Projekte – etwa auf den Philippinen, wo seltene, nur auf einzelnen Inseln vorkommende Eulenarten leben. In Zusammenarbeit mit der Talarak Foundation werden dort Volieren errichtet, um stabile Zuchtbestände aufzubauen. „Ich war selbst noch nicht vor Ort, aber wir finanzieren die Arbeit und stehen im engen Austausch“, betont der Naturschützer. „Natürlich führen wir auch nationale Eulenprojekte durch, zum Beispiel für den Steinkauz, den Habichtskauz und viele weitere Eulenarten.“ Ein Beispiel findet sich im Harz, dort setzt sich Ralf Steinberg für den Sperlingskauz ein. Durch den Verlust alter Fichtenbestände fehlen natürliche Brutplätze für die kleinste Eule Europas. Steinberg und sein Team installierten deshalb mehr als 80 Nistkästen, gefertigt nach finnischem Vorbild von „Reha und Beruf“ in Gummersbach. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. „Man wusste vorher gar nicht, ob der Sperlingskauz Nistkästen überhaupt annimmt“, erzählt Ralf Steinberg. „Aber erste Bruten wurden bereits nachgewiesen.“ Auch die Eulen im Bergischen hat der Naturschützer im Blick. Waldkauz, Waldohreule, Sperlingskauz, Uhu und Steinkauz – sie alle kommen hier vor. Sorgen bereitet ihm jedoch die Schleiereule. „Der Bestand ist drastisch eingebrochen, fast um 80 Prozent“, sagt er. Schon in den 1980er-Jahren wurden mehr als 100 Schleiereulenkästen im Bergischen aufgehängt, Scheunen und Kirchen geöffnet, um Nistplätze zu bieten. Nun beginnt die Arbeit von vorn: Bestände erfassen, Nisthilfen anbieten, Ursachen erforschen.


Biber im Fokus
Vor der eigenen Haustür widmet Steinberg sich auch dem Biber. 2017 gelang ihm per Wildkamera der Erstnachweis an der Wupper. Eine kleine Sensation, denn der Biber war in Deutschland über 100 Jahre lang ausgestorben. Intensive Bejagung, Lebensraumverlust und die historische Einstufung als „Fisch“ während der Fastenzeit hatten die Art nahezu ausgelöscht. Erst Wiederansiedlungsprogramme brachten ihn zurück. Seitdem wächst die Population auch im Bergischen, und Ralf Steinberg begleitet die Entwicklung gemeinsam mit der Biologischen Station. Er kartiert Spuren, dokumentiert Fraßstellen und bietet Exkursionen an. „Der Biber ist scheu“, betont der Experte. „Wenn man ihn sehen will, muss man leise sein und Geduld mitbringen.“ Bei einer der vergangenen Führungen während der Umweltwoche zeigte sich das Tier gegen Abend – ein besonderer Moment für die Teilnehmer. Tagsüber verraten nur angenagte Stämme und typische Zahnspuren seine Anwesenheit. Konflikte wie in der Eifel, wo Biberdämme für überflutete Keller sorgten, sieht Steinberg im Bergischen derzeit nicht: „Noch freuen wir uns einfach, dass der Biber wieder da ist.“ Ökologisch seien seine Bauwerke ohnehin ein Gewinn: Stauzonen erhöhen die Artenvielfalt, verändern den Sauerstoffgehalt des Wassers und schaffen neue Lebensräume. Nur wenn Biber künftig Nebenbäche aufstauen, könnten Herausforderungen entstehen – aus Sicht Steinbergs aber lösbare. Warum er sich seit Jahrzehnten so stark engagiert? Steinberg muss nicht lange überlegen. „Vor 45 Jahren habe ich meine erste Eule in der Hand gehalten – einen jungen Waldkauz“, blickt er zurück. „Seitdem hat mich das nicht mehr losgelassen.“ Die Kamera lässt er zwar häufiger im Schrank, doch seine Leidenschaft für die Natur ist geblieben. Und mit dem Ruhestand hat er nun mehr Zeit denn je, sie zu schützen.

Heike Karsten, Bilder: Ralf Steinberg
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