Die idyllische Wupper ist nicht nur der längste Fluss im Bergischen Land. Sie ist auch ein Dorado für Naturabenteuer. Keiner weiß das besser als der frühere Weltklasse-Kanute Thomas Becker aus Solingen. Der vierfache Weltmeister und Olympionike bietet seit mehr als 25 Jahren geführte Kanu- und Kajaktouren an.
Fast 120 Kilometer ist die Wupper lang. Umso erfreulicher, dass einige der schönsten Abschnitte dieses lebendigen Mittelgebirgsflusses im Bergischen Land liegen. Nirgendwo zeigt sich das besser als auf dem Wasser. Wer die Schönheit der Wupper und ihre Ufer von dieser unbekannten Warte aus entdecken möchte, sollte in der Sommersaison unbedingt einmal eine geführte Kanutour mit dem vierfachen Wildwasser-Weltmeister Thomas Becker mitmachen. Der Solinger hatte nach seiner internationalen Profikarriere als Athlet im Kanuslalom im Jahr 2000 die Idee, das Unternehmen „WupperKanuTouren“ zu gründen. „Begonnen hat alles mit einem gebrauchten Hänger und sechs Booten“, erzählt der leidenschaftliche Guide, dessen Team heute ein halbes Dutzend erfahrene Mitarbeiter umfasst. Die Firma hat er gemeinsam mit seiner Ehefrau Angelika aufgebaut. Auch sie war früher Leistungssportlerin, spielte Badminton auf Bundesliga-Ebene und vertrat Deutschland viele Jahre in der Nationalmannschaft. Zusammen haben die beiden Ausnahmesportler in den letzten 25 Jahren beim Paddelsport auf der Wupper sehr viel Pionierarbeit geleistet – auch dank der großen Unterstützung ihres mittlerweile erwachsenen Sohnes Benedikt, der immer noch fleißig mithilft, wenn es jedes Jahr kurz nach Ostern und bis zum Beginn der NRW-Herbstferien regelmäßig auf die Wupper geht.
Nicht nur auf der Wupper unterwegs
Wer bei einem geführten Freizeiterlebnis auf der Wupper voll auf seine Kosten gekommen ist und nun noch mehr Flüsse entdecken möchte, kann über „WupperKanuTouren“ auch Touren auf Erft, Sieg, Rhein und Rur buchen. Die Rückkehr ist bei allen Touren so geregelt, dass die Mitarbeiter die Teilnehmer per Auto zum Startpunkt zurückbringen. Für alle Kanutouren gilt, dass die Teilnehmer Schwimmer sein müssen und festes Schuhwerk an den Füßen haben sollten. www.wupperkanutouren.de


Fünf verschiedene Touren durch die Naturidylle
Zum Beispiel auf eine Tour, die unterhalb der Solinger Schleiferei Wipperkotten beginnt und nach gut zwei Stunden Paddeln durch idyllische Wälder und Auen in Leverkusen-Opladen endet. Oder bei einer ebenfalls zweistündigen Tour, die im herrlichen Waldgebiet Burgholz in Wuppertal startet und bis zum Brückenpark Müngsten führt – vorbei an steilen Hängen und durch eine unberührte Landschaft, wie man sie in NordrheinWestfalen kaum noch vermutet. Insgesamt fünf verschiedene Kanu-Touren hat der Familienbetrieb auf der Wupper in dieser Saison im Programm. Die Kunden, zu denen neben Einzelpersonen und Familien auch viele Schulklassen, Freundesgruppen, Vereine und Betriebsausflügler zählen, sitzen dabei entweder im Kajak oder im Canadier. Ausnahmesportler Becker, der 1996 bei den Olympischen Sommerspielen in Atlanta im EinerKajak sogar Bronze gewann und während seiner aktiven Laufbahn Mitglied einer Sportfördergruppe der Bundeswehr war, erklärt den Unterschied: „Das Kajak ist schneller und wendiger und wird mit einem Doppelpaddel bewegt. Den etwas gemütlicheren Canadier steuert man hingegen mit einem Stechpaddel – so wie man es aus den Indianerfilmen kennt.“ Sicher fühlen dürfen sich seine Kunden in jedem Boot, betont der Ex-Profisportler, der im Hauptberuf als Lehrer an einer Elite-Sportschule, der Berthavon-Suttner-Gesamtschule in Dormagen, arbeitet – obwohl er eigentlich Diplom-Ingenieur der Versorgungstechnik ist. De facto sind aber der Sport auf dem Wasser und die Pädagogik sein Leben, sagt Becker, der seit Jahren auch Kindergeburtstage und Touren mit Jugendgruppen im Programm hat. Auch KajakKurse für Fortgeschrittene und Einsteigertrainings bietet er mit seinem erfahrenen Team an – was „WupperKanuTouren“ von anderen Anbietern unterscheidet, die nur geführte Touren im Programm haben.

Sicherheit steht immer im Vordergrund
Beckers Kurse sind sehr beliebt. Die für Fortgeschrittene finden auf Rur und Erft statt, während die Anfängerkurse in Köln am Fühlinger See starten. Von dort geht es dann weiter nach Solingen, sodass alle Grundkurse am Nachmittag mit einer Flussfahrt auf der Wupper ausklingen können. „Bisher ist trotz der Tücken der Wupper immer alles gut verlaufen“, sagt Becker. Das gelte für die Entdecker-Touren ebenso wie für die Kajak-Kurse. Dass immer alles rund lief, sei kein Zufall, ergänzt der einstige Kanuslalom-Athlet, der das Element Wasser wie seine Westentasche kennt. Weshalb er auch genau weiß, was er im Blick behalten muss: „Dazu zählt im Falle der Wupper vor allem das Wetter, weil die Wupper als typischer Mittelgebirgsfluss schnell auf Niederschläge reagiert. Das macht den Wasserstand auch so dynamisch.“ Zu beachten seien zudem die Fließgeschwindigkeit und das hohe Gefälle der Wupper. Becker, der bei seinen Touren grundsätzlich keine Nichtschwimmer mitnimmt, kennt sämtliche Risiken im Detail und behält auch den Pegelstand stets im Blick: „Das kann dann auch schon mal bedeuten, dass wir eine Tour verschieben oder die Route abändern müssen.“ Zum Beispiel, wenn der Wasserstand nicht mehr ausreichend ist, um im unteren Teil der Wupper, dem sogenannten Fauna-Flora-Habi tat-Gebiet, fahren zu dürfen, erklärt der hünenhafte Solinger, dem man seine lange SportlerKarriere mit vielen nationalen und internationalen Titeln nach wie vor ansieht. Der Zeit als Hochleistungssportler trauert er bis heute immer noch ein bisschen hinterher. Die Arbeit mit „WupperKanuTouren“ ermögliche es ihm aber, „weiter viel am Paddel zu sein“. Das kompensiere viel und mache darüber hinaus großen Spaß. Weshalb Becker hofft, „noch möglichst viele Jahre vielen kleinen und großen Entdeckern die Wupper von ihrer schönsten Seite zeigen zu dürfen“.
Melanie Aprin, Fotos: WSW/Frank Gleitsmann; WupperKanuTouren, Christian Beier, Leon Sinowenka
