Kampf dem chronischen Rückenschmerz

Der junge Solinger Gründer Christian Senfleben hat im Rahmen seiner Master-Arbeit einen Gurt entwickelt, der mit Hilfe von Elektrostimulationen die Muskulatur im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Bauchs stärken soll.

Es ist nicht selten so, dass eigene Beschwerden dazu führen, dass Menschen Lösungen für gewisse Dinge finden. Christian Senfleben aus Solingen ist ein wunderbares Beispiel für diesen aus der Not geborenen Erfindergeist. Der 27-Jährige, der eigentlich aus Aschaffenburg stammt und zum Studium nach Köln gekommen ist, hat nämlich mit dem Wellenpuls- Elektrostimulationsgurt einen Weg gefunden, um chronischen unspezifischen Rückenschmerzen etwas entgegenzusetzen. „Das Thema begleitet mich schon lange, mein Vater hatte das immer schon – und musste an meinem 15. Geburtstag mit einem Bandscheibenvorfall ins Krankenhaus“, sagt er. Mit 16 oder 17 Jahren begannen dann bei ihm die Beschwerden. „Ich habe Rückenschmerzen entwickelt, gegen die nichts hilft und die auch keine wirkliche Ursache haben. Chronische unspezifische Rückenschmerzen – das ist eine komische Diagnose, mit der man nicht viel anfangen kann.“


Heftige Schmerzen während des Studiums

Zunächst beginnt er sein Sport- Studium in Köln, es folgt ein Master- Studiengang in Biomechanik. „Ich war immer schon sportlich, habe mich aber auch für die Medizintechnik interessiert“, sagt er. Während des Master-Studiums treten wieder heftige Schmerzen auf. Senfleben beschließt, sich im Rahmen seiner Masterarbeit mit der Frage zu beschäftigen, was chronischer unspezifischer Rückenschmerz eigentlich genau ist. „Meine Hypothese war, dass, ausgehend von der Tatsache, dass bei den Betroffenen die Muskeln in der Lendenwirbelsäule und im Bauchraum besonders geschwächt sind, diese Muskeln nicht so ausgeprägt und groß sind und entsprechend gestärkt werden müssen. Damit gäbe es auch eine Abhilfe gegen die Rückenschmerzen“, sagt Christian Senfleben. Eine Hypothese, die er im Rahmen seiner Master-Arbeit überprüfen will. „Es gibt verschiedene Arten, wie man diese Muskeln stärken kann, durch Training oder durch Elektrostimulation. Geräte gibt es schon einige auf dem Markt, aber ich habe keines gefunden, das richtig ideal für meinen Zweck gewesen wäre. Also habe ich kurzerhand selbst eines entwickelt und gebaut.“ Mit diesem Prototyp hat er dann eine Studie mit 60 Probanden gestartet. „Die Ergebnisse habe ich dann mit etablierten manuellen Trainingsprogrammen verglichen. Mein Gerät hat am besten abgeschnitten – und das ging sogar soweit, dass die Probanden mir den Prototyp abkaufen wollten“, sagt er. Seine Studie führt er im Sommer/Herbst 2023 durch; mit der Forschung und Entwicklung beginnt er etwa ein Dreivierteljahr zuvor.

Aus einem Prototyp wird ein auslieferbares Gerät

Und dann geht alles Schlag auf Schlag. „Im Juli 2024 habe ich die Wellenpuls GmbH gegründet und die Produktentwicklung vorangetrieben.“ Sein Prototyp funktioniert, aber er sieht eben wie ein Prototyp aus. „Das Design wurde aufgewertet, ich habe auch eine Wärmefunktion eingebaut – es sollte aber insgesamt so einfach wie möglich bleiben“, sagt er. Im Frühjahr 2025 startet er eine Crowdfunding-Aktion. Die anvisierten 10.000 Euro übertrifft er knapp, und im Juni 2025 werden die ersten Geräte ausgeliefert. Seitdem arbeitet er mit Physiotherapeuten zusammen und bietet den Wellenpuls-Gurt über einen Online-Shop an. „Es ist kein Medizinprodukt, es dient dazu, die Tiefenmuskulatur zu stärken“, sagt Christian Senfleben. Er selbst nutzt den Gurt auch regelmäßig, genau wie sein Vater. „Es tut meinem Rücken gut, ich merke es, wenn ich ihn mal zwei Wochen im Urlaub nicht dabei habe. Und auch meinem Vater geht es besser“, sagt er. Er empfiehlt, den Gurt einbis zweimal pro Woche für jeweils 20 Minuten anzulegen. „Aber man sollte sich einfach herantasten, jeder Körper reagiert anders“, sagt Christian Senfleben.


Wolfgang Weitzdörfer, Fotos: WOW